Inflation

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Inflation im Unternehmerlexikon: Erklärung, Beispiele, GedankenDas Wort Inflation hat für die meisten Menschen einen schlechten Klang. Das liegt daran, dass Deutschland im Jahr 1923 von einer besonders schweren Inflation, einer sogenannten Hyperinflation, getroffen wurde. Damals nahm die Inflation solche Ausmaße an, dass der Wechselkurs eines US Dollars im November 1923 1 : 4,2 Billionen (!) Reichsmark entsprach. Obwohl heute kaum noch Zeitzeugen jener Tage zu finden sind, wurden der Schrecken und die Wirren dieser Periode kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs gut dokumentiert und üben bis heute einen psychologischen Einfluss auf die Bevölkerung aus.

Was bedeutet der Begriff Inflation?

Das Wort Inflation kommt aus der lateinischen Sprache und heißt so viel wie anschwellen oder aufblähen. In der Ökonomie spricht man von einer Preissteigerung oder auch von einer Teuerung. In der Praxis bedeutet dies, dass Verbraucher für ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung jetzt mehr bezahlen müssen als in der Vergangenheit. Umgekehrt heißt das, mit einem bestimmten Geldbetrag kann heute weniger als in der Vergangenheit gekauft werden. Die Inflationsrate wird in Prozent angegeben und in der Regel einmal pro Jahr oder auch pro Monat gemessen.

Was verursacht Inflation?

Eine Inflation kann viele Ursachen haben. Es ist zum Beispiel möglich, dass die Nachfrage nach bestimmten Produkten oder Dienstleistungen so schnell und stark anwächst, dass die Produzenten bzw. Dienstleister nicht in der Lage sind, die Nachfrage zu befriedigen. Das Ergebnis sind Preissteigerungen und somit Inflation. Auf der Angebotsseite kann es ebenfalls zu einer Preissteigerung und somit Inflation kommen, wenn die Produktionskosten steigen. So eine Kostenerhöhung kann zum Beispiel durch eine Erhöhung der Rohstoffpreise, der Energiepreise oder der Lohnkosten verursacht werden. Daneben können auch staatlich angeordnete Preissteigerungen oder Steuererhöhungen zu einer Steigerung der Inflation führen. Inflation kann auch aus dem Ausland importiert werden. Kommt es zum Beispiel zu einer langfristigen Erhöhung der Erdölpreise, hat das eine allgemeine Preissteigerung, sprich Inflation, zur Folge.

Wie wird die Inflation gemessen?

Die Inflation wird durch den Verbraucherpreisindex gemessen. Zur Berechnung dieser Größe wird ein sogenannter Warenkorb verwendet. In diesem Warenkorb sind die Preise für Produkte und Dienstleistungen enthalten, die eine statistische Durchschnittsfamilie, die aus 2,3 Personen besteht, aufwenden muss. Der Warenkorb umfasst mehr als 750 verschiedene Produkte und Dienstleistungen aus den Bereichen Lebensmittel und alkoholfreie Getränke, Wohnung, Brenn- und Treibstoffe, Genussmittel, Verkehr, Gesundheitswesen, Bildung, Telekommunikation, Bekleidung und Schuhe, Restaurants und Hotels sowie eine ganze Reihe weiterer Bereiche. Damit der Warenkorb repräsentativ bleibt, muss er ständig angepasst werden. Die Gründe dafür sind die Änderung der Verbrauchergewohnheiten sowie die fortschreitende technische Entwicklung, insbesondere in den Bereichen Computertechnik, Telekommunikation oder Automobilbau. Gegenwärtig dient ein Warenkorb aus dem Jahr 2010 zur Berechnung des Verbraucherpreisindex. Die auf seiner Grundlage errechnete Inflationsrate ist jedoch nur ein durchschnittlicher Wert, der in einzelnen Warengruppen abweichen kann. Zum Warenkorb gehören neben relativ „schnelllebigen“ Produkten wie Lebensmittel auch langlebige Artikel wie Autos oder Immobilien. Deswegen kann es durchaus passieren, dass die sogenannte „gefühlte“ Inflation höher ist als die tatsächlich errechnete. Der durchschnittliche Verbraucher ist von einer Erhöhung der Preise für Lebensmittel, Benzin oder Heizöl stärker betroffen als von einer Preissteigerung beim Kauf eines Neuwagens.

Ist Inflation schlecht?

Inflation, Geld verbrennenWie in der Einleitung bereits erwähnt, hat die Inflation in Deutschland ein schlechtes Image. Eine niedrige Inflationsrate zwischen 2 bis maximal 5 Prozent ist jedoch gut für die Volkswirtschaft, weil sie den Konsum und somit die Nachfrage ankurbelt. Der Verbraucher wird angeregt, notwendige Käufe und Investitionen jetzt durchzuführen und nicht in die Zukunft zu verschieben, weil er jetzt weniger dafür zahlen muss als im kommenden Jahr. Dazu kommt, dass in Zeiten niedriger Inflation die Kosten für Kredite (siehe Artikel Fremdkapital im Lexikon) und Darlehen (Zinsen) ebenfalls niedrig sind. Es ist billiger, Geld zu leihen und damit beispielsweise Investitionen zu tätigen oder ein Haus zu finanzieren. Steigt die Inflationsrate jedoch übermäßig stark an (mehr als 5 Prozent), können die Verbraucher weniger Waren und Dienstleistungen kaufen und die Nachfrage sinkt. Zeitgleich wird es auch teurer, Geld zu leihen, da die Zinsen steigen. Als Folge davon werden weniger Investitionen getätigt und weniger langlebige Güter wie Autos oder Immobilien gekauft. Die Wirtschaft stagniert oder schrumpft sogar. Deswegen streben die meisten Volkswirtschaften eine gemäßigte Inflationsrate zwischen 2 und 3 Prozent an. Sinken die Preise, nennt man das in der Ökonomie eine Deflation. Deflation ist nicht gut für die Wirtschaft, weil sie die Nachfrage dämpft. Verbraucher halten sich bei Käufen zurück, weil sie erwarten, dass die Produkte in Zukunft billiger werden.

Wie wird Inflation kontrolliert?

Dafür gibt es verschiedene Methoden. Eine davon ist die staatlich verordnete Preisbindung, bei der Höchstpreise festgelegt und Löhne und Gehälter eingefroren werden. Diese Methode hat sich auf Dauer aber als wenig wirksam erwiesen, weil sich die Inflation Mittel und Wege sucht, um die Preisbindung zu umgehen. Unter solchen Bedingungen kommt es beispielsweise zum Entstehen eines Schwarzmarktes, auf dem die tatsächlichen Preise für Waren und/oder Dienstleistungen bezahlt werden. Die Europäische Zentralbank dagegen verfolgt eine Geldpolitik, deren Ziel eine Inflationsrate von etwas weniger als 2 Prozent ist. Dabei wird sowohl die umlaufende Geldmenge gesteuert – zum Beispiel durch den Kauf oder Verkauf von Staatsanleihen – und Einfluss auf die Zinsen, die Kosten für Darlehen, durch die Festlegung des Leitzins genommen. Der Leitzins drückt die Kosten aus, die Banken entstehen, wenn sie sich von der Zentralbank Geld leihen. Obwohl dieses System nicht perfekt ist, hat es sich in der Praxis bisher gut bewährt und für ein stabiles Wachstum der Wirtschaft gesorgt.

Lesen Sie auch die Artikel Preisbildung, Angebotspolypol, Rezession und Oligopol im Lexikon.

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