Preisbildung

PreisbildungUnter der Preisbildung ist das Zustandekommen eines oder auch mehrerer Preise auf einem Markt zu verstehen. Mit den Preisbildungsvorgängen beschäftigt sich die sogenannte Preistheorie. Da Preisbildungsvorgänge in der Realität sehr kompliziert und oftmals schwer nachvollziehbar sind, bedient man sich für gewöhnlich modellmäßiger Vereinfachungen, um Vorgänge und Entwicklungen zu veranschaulichen.

Der Preis für Produkte und Güter entwickelt sich auf den verschiedenen Märkten, auf denen Anbieter und Konsumenten zusammentreffen. Es gibt verschiedene Arten der Preisbildung. Diese werden anhand der unterschiedlichen Marktformen unterschieden.

In erster Linie unterscheidet man Preisbildung

Polypolistisches Preisbildungsmodell

Die Preisbildung in einem Polypol wird für gewöhnlich unter der Voraussetzung der vollkommenen Konkurrenz (Polypol auf dem vollkommenen Markt) dargestellt. Bei dieser Form des Preisbildungsprozesses geht man von im Verhältnis zur Marktgröße vielen kleinen Anbietern aus, die mit ihren homogenen Gütern einer Vielzahl an Nachfragern gegenüberstehen. Die Marktform des Polypols ist in Volkswirtschaften am häufigsten zu finden. Ein Beispiel für ein Polypol ist die Bekleidungsindustrie.

Die Anbieter konkurrieren im Polypol stark untereinander. Unter den Nachfragern besteht kein Zusammenschluss, so dass sie keinen Druck auf die Anbieter ausüben. Hier muss der einzelne Anbieter den Preis für sein Angebot als gegebene Größe (Datum) betrachten. Er allein kann diese Größe aufgrund seines geringen Marktanteils nicht beeinflussen. Die einzelnen Anbieter und Nachfrager sind Mengenanpasser. Der Preis ist hier stets die unabhängige Größe (Ursache) und die Menge die abhängige Größe (Wirkung).

Jeder Anbieter muss den Preis dem Angebot seiner Konkurrenten anpassen. Setzt er den Preis höher an, verliert er Kunden. Setzt er den Preis niedriger an, würden die Nachfrager hauptsächlich sein Angebot wahrnehmen. Der großen Nachfrage könnte er aufgrund seines geringen Marktanteils jedoch nicht nachkommen.

Monopolistisches Preisbildungsmodell

Die Konträrsituation zur vollständigen Konkurrenz ist das Fehlen von Konkurrenz, das sich in der Marktform des Monopols zeigt. Hier beherrscht ein Anbieter (Angebotsmonopol) oder ein Nachfrager (Nachfragemonopol) den Markt. Der Preis ist hier nicht mehr gegeben, sondern vielmehr eine variable Größe.

Beim Angebotsmonopol ist der Anbieter mit seinem Produkt außer Konkurrenz und kann damit selbst den Preis bestimmen. Der Nachfrager kann lediglich darüber bestimmen, in welcher Menge er das Angebot zum vom Anbieter festgelegten Preis abnimmt. Damit werden Preis und Menge für den Anbieter zu strategischen Größen: Setzt er den Preis, antwortet der Markt mit entsprechender Nachfrage. Setzt er die Menge, bildet der Markt den entsprechenden Preis. Oder anders ausgedrückt, wenn der Monopolist den Preis zu hoch setzt und den Cournotschen Punkt (Gewinnmaximum) überschreitet, dann werden die Nachfrager sich einschränken oder gar auf das Angebot verzichten oder zu Ersatzgütern greifen.

Ein Beispiel für ein Anbietermonopol war in Deutschland zumindest bis 2008 die Deutsche Post mit ihrem Briefmonopol. Ein Nachfragemonopol besteht meist, wenn der Staat der einzige Abnehmer für ein Gut ist. Nachfragemnopole treten sehr selten auf.

Preisbildungsmodell für das Oligopol

Bei der Marktform des Oligopols teilen sich wenige Wettbewerber einen Markt mit vielen Nachfragern. Ein Beispiel für ein Oligopol in Deutschland ist der Strommarkt. Man unterscheidet zwischen dem homogenen Oligopol und dem heterogenen bzw. inhomogenen Oligopol. Die Güter im homogenen Oligopol sind Substitutionsgüter. Die Güter im heterogenen Oligopol sind differenzierte Produkte. Jeder einzelne Anbieter hat in einem Oligopol eine relativ hohe Marktmacht und den entsprechenden Einfluss auf Preise und Mengen.  Bei der Bestimmung der Preise müssen die einzelnen Anbieter weniger die Reaktionen der Nachfrager, als vielmehr die Reaktionen der anderen Anbieter bedenken. Durch die Mitbewerber können beim Oligopol unterschiedliche Strategien zur Preisbildung zum Tragen kommen. Möglich sind:

Bei einer Preisführerschaft erkennen die anderen Anbieter einen bestimmten Anbieter als Preisführer an. Sie ändern ihre Preise nur, wenn der Preisführer dies getan hat. Bei der Imitation entsteht der Preis durch die Nachahmung der Konkurrenten. Vor allem bei engen Oligopolen, können sich die einzelnen Anbieter bezüglich der Preise auch sehr leicht absprechen.

Im Oligopol kann es auch zu einem ruinösen Wettbewerb kommen, hierbei werden durch ein aggressives Preisverhalten Konkurrenten aus dem Markt gedrängt. Auch eine Preisstarre kann im Oligopol erfolgen, wenn es unter gleich starken Konkurrenten keiner wagt, sein Preisverhalten zu ändern.


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