variable Kosten

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Bei variablen Kosten handelt es sich um einen Terminus aus der Betriebswirtschaftslehre. Der Begriff bezeichnet die Kosten, die sich im Verhältnis zum produzierten Gut oder zur produzierten Dienstleistung verändern. Auch Grenzkosten, die entstehen, wenn eine Einheit mehr produziert wird, werden oftmals dem Begriff variable Kosten zugerechnet.

Die variablen Kosten sind neben den festen Kosten (auch Fixkosten) die beiden Komponenten der Gesamtkosten. Während die Fixkosten in der Theorie immer gleich bleiben, verändern sich die variablen Kosten stetig. Entsprechend werden in der Betriebswirtschaftslehre Diagramme erstellt, welche die Kosten eines Produktes anhand einer Kurve zeigen, die Fixkosten als lineare Linie ausweist, und variable Kosten mit einer exponentiellen Kurve darstellt.

Zentral ist der Begriff der variablen Kosten auch bei der Berechnung des Deckungsbeitrag und des Break-Even-Point, mit denen wir uns schon im Unternehmerlexikon befasst haben.

Genauere Erklärung des Begriffs variable Kosten

Variable Kosten können, müssen aber nicht, direkte Kosten sein. Das heißt, dass variable Kosten zwar oft direkt mit einem Kostenträger in Verbindung gebracht werden können, das aber gleichzeitig nicht immer der Fall ist. Beispielsweise sind Mietkosten zwar ein Kostenträger, aber keineswegs ein Teil der direkten Kosten. Mietkosten sind den Fixkosten zuzurechnen. Andere Kosten, zum Beispiel für Energie, werden den sogenannten Mischkosten zugerechnet. Die variablen Kosten werden darüber hinaus oft mit dem Begriff der Stückkosten in Verbindung gebracht. Das liegt daran, dass die variablen Kosten sich zumeist dann verändern, wenn sich auch die produzierte Stückzahl verändert. Dabei sind Ausschläge in beide Richtungen möglich. Die variablen Kosten können bei mehr Einheiten sinken (Kosten pro produzierte Einheit), könnten aber auch steigen, da beispielsweise die Materialkosten bei seltenen Rohstoffen steigen könnten, wenn die Abnahmemenge größer wird. Dennoch werden auch die Stückkosten in der BWL aufgeteilt. So existieren fixe Stückkosten und variable Stückkosten.

Beispiele für variable Kosten

Das wichtigste Beispiel für variable Kosten ist die Beschäftigung. Löhne und weitere Ausgaben, die mit den Mitarbeitern zusammenhängen, sind immerzu veränderbar. Entweder durch Lohnkürzungen oder Lohnsteigerungen oder aber durch eine Erweiterung beziehungsweise Verkleinerung der Belegschaft. Weitere variable Kosten sind beispielsweise Treibstoffe. Der Kostenpunkt verändert sich in der Kostenrechnung nur dann verändert, wenn Fahrzeuge auch wirklich fortbewegt werden. Auch Produktionskosten für Schmierstoffe fallen in diesen Bereich. Darüber hinaus gehören Rohstoffe, deren Preise sich zumeist dann verändern, wenn die Abgabemenge größer oder kleiner wird und Transportkosten, die sinken, sobald die Auslastung höher wird, zu den variablen Kosten.

Mischkosten

Manche Posten im Unternehmen sind nur schwer einem der beiden Kostenbereiche zuzuordnen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Energieverbrauch, der manchmal zu den fixen, manchmal zu den variablen Kosten gerechnet wird. Heutzutage hat sich allerdings herauskristallisiert, dass Kosten für Energie entweder aufgeteilt werden oder dem Sonderbereich Mischkosten zugerechnet werden. Die Problematik hiervon lässt sich an einem Beispiel erklären. So verändert sich die Energierechnung eines Unternehmens zwar jedes Jahr, dennoch müssen die Kosten daher noch nicht variabel sein. Beispielsweise könnte schlichtweg der Anbieter seine Preise ändern. Würde ein Unternehmen, zum Beispiel ein Steuerberater, jedes Jahr exakt gleich viel Strom für Klimaanlage und Computernutzung benötigen, wäre dieser Posten den fixen Kosten zuzurechnen. Im produzierenden Gewerbe ist das allerdings deutlich komplizierter, denn neben den Fixkosten im Energiebereich wie einer Klimaanlage, die jedes Jahr immer gleich läuft, verändern sich die Energiekosten je nach Produktion. Werden viele Güter produziert, steigen die Energiekosten, laufen die Maschinen weniger, sinken die Kosten für Energie. Entsprechend könnte entweder der erste Block den fixen Kosten zugerechnet werden und der zweite Block den variablen Kosten, oder aber der gesamte Block den Mischkosten.

Verlauf von variablen Kostenfunktionen

Es existieren in der Theorie vier Möglichkeiten für den Verlauf von variablen Kostenfunktionen.

Im proportionalen beziehungsweise linearen Fall ist die Berechnung am einfachsten. So steigen die variablen Kosten genau so viel, wie die Zahl der produzierten Produkte. Werden statt 1.000 Einheiten von nun an 10.000 Einheiten produziert, bleiben die variablen Stückkosten dennoch gleich. Ein mögliches Beispiel hierfür wäre ein Friseursalon mit voller Auslastung. Würden weitere Kunden kommen, müsste ein neuer Angestellter gefunden werden. Arbeitet dieser auch mit Vollauslastung, würden die Stückkosten werden fallen, noch steigen.

Die für das produzierende Unternehmen beste Lösung ist eine degressive Steigerung. In diesem Fall steigen die Kosten unterproportional. Das heißt, dass die variablen Stückkosten sinken, wenn statt 1000 Einheiten von nun an 10.000 Einheiten produziert werden. Die Fixkosten steigen derweil linear zur stetigen Produktionsmenge an. Ein gutes Beispiel hierfür sind veränderliche Abgabemengen. Produziert ein Automobilhersteller 10.000 statt 1.000 Autos, kommt er vermeintlich günstiger an Rohstoffe wie Aluminium, da seine Abnahmemenge bei höherer Produktion steigt.

Negativ auf ein Unternehmen wirkt sich eine progressive beziehungsweise überproportionale Steigerung der Kosten aus. In diesem Fall steigen die Kosten stärker, als die mehr produzierten Produkte, Gewinne abwerfen. Entsprechend steigen die variablen Stückkosten. Die Fixkosten steigen zeitgleich linear zur steigenden Produktionsmenge an. Ein mögliches Beispiel hierfür wären Überstunden. Entscheidet sich ein Unternehmen bei kurzfristiger Absatzsteigerung dafür, keine neuen Mitarbeiter einzustellen und stattdessen die bisherige Mitarbeiterschaft Überstunden machen zu lassen, muss die Firma mit höheren Stundenlöhnen für den Mehraufwand rechnen. Ein weiteres Beispiel wäre die Einführung einer Nachtschicht, die besser vergütet wird als die Tagschicht. In beiden Fällen würden die variablen Stückkosten steigen, da ein Produkt, das in der Nacht beziehungsweise im Rahmen von Überstunden produziert wurde, nicht teurer verkauft werden kann als ein normal produziertes Gut.

Ein besonderer Fall ist ein regressiver Kostenverlauf. In diesem Fall verändern sich die variablen Kosten nicht, die Gesamtkosten sinken allerdings dennoch. Das ist beispielsweise dann gegeben, wenn durch Klimaveränderungen weniger geheizt werden muss – und damit die Heizkosten sinken, obwohl sich an der Unternehmensstruktur ansonsten nichts verändert hat.

Variable Kosten im Bereich des Marketings

Die Aufteilung in variable und fixe Kosten ist insbesondere für die Marketingabteilungen von Unternehmen von entscheidender Bedeutung. Nur durch eine klare Aufteilung der anfallenden Kosten kann überprüft werden, welche Kosten anfallen, wenn durch verstärkte Vermarktung, mehr Produkte abgesetzt werden. So kann kalkuliert werden, ob sich ein Aufwand im Marketing lohnt oder nicht. Steigen die variablen Kosten beispielsweise an, sobald der Produktabsatz steigt, macht eine teure Marketingkampagne vermeintlich wenig Sinn. Sollten die variablen Kosten mit einem starken Anstieg im Absatz allerdings steigen, können die Marketingverantwortlichen mit einem größeren Budget agieren, um den Absatz in neue Größenmaßstäbe zu bringen.

Variable Kosten im Management

Eine große Rolle spielt die Aufteilung in fixe und variable Kosten auch im Bereich des Managements. Weiterentwicklungen und Verbesserungen im Unternehmen selbst sind nur dann möglich, wenn klar ist, welche Unternehmensbereiche welche Kosten verursachen. Dabei spielt die Festlegung von variablen Kosten eine besondere Rolle, denn diese sind, im Gegensatz zu den Fixkosten, veränderlich. Entsprechend kann das Management die variablen Kosten variieren, um Produkte entweder billiger herzustellen, indem die Stückzahl erhöht wird oder aufgrund von wirtschaftlichen Problemen die variablen Kosten senken, um weniger Produkte herzustellen, wenngleich diese dann zumeist teurer wären. Zudem stehen andere Maßnahmen zur Steigerung der Effektivität zur Verfügung, durch die variable Kosten eventuell sinken könnten. Lohnkürzungen oder eine effektivere Arbeitsweise wären hierfür beispielhaft.

Übrigens: Wir empfehlen Ihnen auch einen Blick in unsere Artikel zum Thema Umlaufvermögen, zum Thema Preisbildung und zum Thema Gemeinkosten, die wir im Lexikon ebenfalls für Sie vorbereitet haben.

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