Oligopol

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Oligopol, Wettbewerb und Mikroökonomie im UnternehmerlexikonDie Mikroökonomie, ein Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre, beschäftigt sich mit den Märkten, in denen Güter und Dienstleistungen gekauft und verkauft werden. Nach der Zahl der Anbieter und Nachfrager werden Marktstrukturen oder –formen unterschieden, wie beispielsweise in der vom deutschen Ökonomen Heinrich Freiherr von Stackelberg entwickelten Einteilung in Monopol, Oligopol und Polypol. Oligopol kommt aus dem Griechischen und wird abgeleitet von ὀλίγος (olígos) „wenig“ und πωλεῖν (pōleĩn) „verkaufen, Handel treiben“.P

Die Oligopole befinden sich in Märkten mit unvollständiger Konkurrenz zwischen Monopol und vollständiger Konkurrenz. Die Marktlage ist dadurch gekennzeichnet, dass wenige Unternehmen ähnliche oder identische Produkte anbieten, im Gegensatz zum monopolistischen Wettbewerb, bei dem viele Unternehmen ähnliche Produkte auf den Markt bringen. Die wenigen Konkurrenten haben die Optionen, zu kooperieren oder zu konkurrieren und hängen somit wechselseitig von ihren Entscheidungen ab. Sie können zusammenarbeiten, um die Preise (siehe hierzu ergänzend auch Artikel Preisbildung um Lexikon) zu beeinflussen oder versuchen, durch die eigenen Entscheidungen Vorteile zu erzielen. Wenn nur zwei Anbieter auftreten, kann die Situation als Duopol bezeichnet werden. Für die Akteure besteht die Möglichkeit, sich über Mengen und Preise abzusprechen und wie ein Monopol zu agieren. Derartige Kartellabsprachen stoßen meist an rechtliche Grenzen.

Oligopol: Gleichgewichte und Marktverhalten

Oligopol und Markt: Gleichgewicht im WettbewerbOligopol-Situationen werden oft mit den Mitteln der Spieltheorie beschrieben und untersucht. Wie beim Spielen muss der Akteur in einem Oligopol strategische Entscheidungen treffen. Das gelingt umso besser, je mehr Informationen über die anderen Akteure gesammelt werden können. Bei allseitiger vollständiger Information ist es möglich, die Handlungen vorauszusagen. Das kann zu einem Markt- oder Nash-Gleichgewicht führen: Es besteht dann, wenn kein Anreiz vorhanden ist, Mengen oder Preise zu ändern, da die anderen Handelnden mitziehen würden. Schnellere Produktinnovation und damit begründete höhere Preise stellt eine Variante dar, um das Gleichgewicht aufzulösen.

Andere Marktsituationen können sich unter anderem folgendermaßen herausbilden: Im Oligopol kann ein Wettbewerber Vorteile gegenüber den Mitbewerbern erringen und übernimmt dadurch die Preisführerschaft. Wenn er im Preis variiert, folgen die anderen. Dieses Verhalten wird jedoch nicht abgesprochen, wie in Kartellen. Ein anderer Fall ist die Imitation. Dabei versucht der Akteur die Preisgestaltung eines erfolgreicheren Akteurs, der den Preis vorgibt, zu imitieren. Wenn im Oligopol nur zwei Akteure existieren, können sie durch dieses Verhalten den Monopolpreis erzielen. In einem engen Oligopol ist die Reaktionsinterdependenz besonders hoch. Die Beschränkung auf wenige Akteure führt eher zu Preis- und Mengenabsprachen (Kartellabsprachen). Beispiele sind der Tankstellenmarkt (Mineralölindustrie), die Telekommunikation oder die Stromindustrie. Ein Spezialfall hierfür wäre das Duopol. Ein ruinöser Wettbewerb innerhalb des Oligopols ist ebenso zu beobachten. Durch aggressive Preisgestaltung versuchen die Akteure Vorteile auf dem Markt zu erzielen. Diese Situation versuchen die Handelnden oft durch Absprachen zu vermeiden. Bei mehreren gleich starken oder schwachen Wettbewerbern kann es zu gleichförmigem Preisverhalten oder Preisstarrheit kommen. In weiten, heterogenen Oligopolen können durch Innovationswettlauf Vorteile erreicht werden.

Unterschiedliche Oligopol-Modelle

Es gibt viele Modelle für Oligopole, so z. B. das Stackelberg-Duopol, eine Weiterentwicklung des Cournot-Oligopols, das Kreps-Scheinkman-Modell, das Sweezy-Modell, das Drei-D-Modell, das Hotelling-Modell usw. Dabei geht es immer darum, eine bestimmte Marktsituation zu beschreiben und Verhaltens- und Reaktionsweisen der Konkurrenten vorauszusehen. Wenn der Handelnde diese Modelle kennt, ist er auf derartige Lagen vorbereitet und wird effektiv reagieren. Reagieren kann auch bedeuten, schneller zu sein als andere Akteure. Zwischen den Oligopolisten besteht in allen Modellen eine Reaktionsverbundenheit / Interdependenz. Das bedeutet wiederum, dass der Gewinn eines Akteurs nur durch möglichst genaue Kenntnis der Aktionsparameter und Reaktionen der anderen Akteure maximiert werden kann.

Um Oligopole zu unterscheiden, werden sie manchmal in Angebots- und Nachfrageoligopol unterteilt. Dem Angebotsoligopol steht ein Nachfragemonopol, ein Nachfrageoligopol oder ein Nachfragepolypol gegenüber. Beim Nachfrageoligopol sind es dementsprechend Angebotsmonopol, Angebotsoligopol oder Angebotspolypol. Ein Beispiel für das Angebotsoligopol ist der deutsche Mineralölmarkt. Es ist schwierig, sich im Theorien-Labyrinth zurechtzufinden, da die vorherrschenden Auffassungen sich oft nur in Nuancen unterscheiden.

Beispiele für Oligopole

Oligopole existieren im nationalen und globalen Kontext. So gab es tiefschürfende Diskussionen über die Macht der Ratingagenturen in Europa und weltweit. Sie haben nicht dazu geführt, diese Macht einzuschränken und Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch können mit ihren Verlautbarungen den Markt weiterhin beeinflussen, sich untereinander absprechen und müssen derzeit keine Konkurrenz fürchten. Ähnlich ist die Situation in der Mineralölwirtschaft. Die großen fünf Unternehmen des marktbeherrschenden Oligopols, BP/Aral, Esso, Jet, Shell und Total, dominieren Produktion und Vertrieb von Kraftstoffen. Aber im Februar 2014 wurde bekannt, dass das Bundeskartellamt gegen die fünf Mitglieder ein Wettbewerbsverfahren eingeleitet hat. Ebenfalls im Februar 2014 bestrafte das Bundeskartellamt den Südzucker-Konzern für seine Beteiligung an illegalen Absprachen mit einem Bußgeld von 195,5 Millionen Euro, weil er mit zwei anderen Herstellern über Jahre hinweg den Markt aufgeteilt hatte. 2009 verurteilte ein Gericht fünf deutsche Zementhersteller wegen illegaler Kartellabsprachen zur Zahlung von insgesamt 328,5 Mio. Euro Bußgeld.

Oligopole existieren in den Märkten für Telekommunikation, Erdgas oder auf dem deutschen Strommarkt. In Deutschland ist die Kooperation von Oligopolisten unerwünscht. Kartellbildung und Preisabsprachen sollen durch das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) verhindert werden. Damit dieses Gesetz eingehalten und durchgesetzt wird, gibt es seit Januar 1958 das Bundeskartellamt. Diese Wettbewerbsbehörde beschäftigt sich nicht nur mit Kartellbildung oder Kartellabsprachen. Eine weitere Aufgabe besteht in der Zusammenschlusskontrolle (auch Fusionskontrolle). Dadurch soll eine übermäßige Konzentration wirtschaftlicher Macht und die Bildung von schädlichen Oligopolen verhindert werden.

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