Liquiditätsplan

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Ein Liquiditätsplan gibt dem Unternehmer einen Überblick über die voraussichtliche Zahlungsfähigkeit seines Unternehmens durch Gegenüberstellung der zu erwartenden Einzahlungen und Auszahlungen. Aus der Differenz ergibt sich der monatliche Überschuss (Überdeckung), der z. B. zur Begleichung von Rechnungen verwendet werden kann.

Ausgehend von der Umsatz- und Kostenplanung baut die Unternehmensführung einen Liquiditätsplan für die einzelnen Monate und das Planungsjahr insgesamt auf. Die Durchführung einer EDV-gestützten Liquiditätsplanung ist heute auch in mittelständischen Betrieben, z. B. mit Hilfe von Tabellenkalkulationsprogrammen, realisierbar.

I. Planung erfolgswirksamer und erfolgsneutraler Einnahmen und Ausgaben

Die Darstellung der Einnahmen und Ausgaben in einem Liquiditätsplan kann unterschiedlich gestaltet werden. Für die Liquiditätslenkung in Klein- und Mittelbetrieben wird folgende, relativ einfache Unterteilung des Zahlungsgeschehens als Ausgangspunkt benutzt:

  • Erfolgszahlungen (erfolgswirksame Einnahmen und Ausgaben)
  • Investitions- und Finanzzahlungen (erfolgsunwirksame Einnahmen und Ausgaben) , siehe auch Investment im Unternehmerlexikon
  • Entwicklung des Bestandes an liquiden Mitteln

Die weitere Unterteilung der Zahlungen in den drei Bereichen richtet sich nach den konkreten betrieblichen Verhältnissen, wie z. B. Unternehmensgröße, Organisationsgegebenheiten oder Markt- und Rechtsbeziehungen.

1. Erfolgswirksame Zahlungen

1.1 Umsatzabhängige Erfolgszahlungen

Die mit dem laufenden Erfolgsgeschehen verbundenen Einnahmen und Ausgaben sind ein Kernstück der Liquiditätsplanung. Die erfolgswirksamen Einnahmen stammen zur Hauptsache aus dem Umsatzprozess, die erfolgswirksamen Ausgaben beruhen vor allem auf dem mit der Leistungstätigkeit verbundenen Waren- und Materialeinsatz, den Personalausgaben und den übrigen Sachausgaben.
Mit Hilfe stochastischer Verteilungen, die das Zahlungsverhalten ausdrücken, lassen sich im Umsatzbereich aus den Verkaufs- bzw. Einkaufsrechnungen die Zahlungseingänge bzw. Zahlungsausgänge mit EDV-Unterstützung ohne großen Aufwand ermitteln.
Das Modell ist je nach betrieblichen Gegebenheiten um spezifische Aspekte des Einnahme- und Ausgabegeschehens zu verfeinern, z. B. durch Einbeziehung von Skonti, Boni oder differenzierten Zahlungszielen für verschiedene Märkte.

1.2. Umsatzunabhängige Erfolgszahlungen

Außer den umsatzabhängigen Einnahmen und Ausgaben müssen die vom Umsatzprozess unabhängigen Erfolgszahlungen, nämlich Ertragseinnahmen, wie z. B. Miet- und Zinseinnahmen, und Aufwandsausgaben, wie z. B. Zinsausgaben, entsprechend den aus Verträgen oder sonstigen Festlegungen bekannten Angaben über Höhe und Zeitpunkt, in die Liquiditätsplanung aufgenommen werden.

1.3. Cash Flow

Die Gesamtheit der umsatzabhängigen und umsatzunabhängigen Erfolgszahlungen ergibt den Cashflow, d. h. den durch die Unternehmenstätigkeit erwirtschafteten finanziellen Beitrag der Periode. In dieser Größe kommt zum Ausdruck, inwieweit aus laufender Unternehmenstätigkeit durch Leistungserstellung, Umsatz und übrige Ertragserzielung ein finanzieller Überhang oder ein finanzielles Defizit erwirtschaftet worden ist. Ermittelt werden der Gesamtbetrag für das Jahr und die Verteilung auf die Monate, um auch unterjährige Problemperioden mit Liquiditäts-Vorsorgebedarf und Überschussperioden mit Liquiditäts-Verwendungsmöglichkeiten zu erkennen.

2. Erfolgsneutrale Zahlungen

Außer den durch Erfolgsvorgänge verursachten Zahlungen sind in einer Liquiditätsplanung auch die erfolgsneutralen Einnahmen und Ausgaben zu berücksichtigen. Sie umfassen im wesentlichen Einnahmen aus Krediterhöhung, Kapitaleinlagen oder Vermögensveräußerungen sowie Ausgaben für Investitionen, Schuldentilgungen und Entnahmen.

Diese Investitions- und Finanzzahlungen werden aufgrund betrieblicher Festlegungen bzw. unternehmerischer Entscheidungen in die Liquiditätsplanung eingebracht. Da sie z. T. leichter als die Erfolgszahlungen durch die Unternehmensleitung gestaltet werden können, verkörpern sie wesentliche Ansatzpunkte für liquiditätspolitische Anpassungsmaßnahmen, die z. B. nötig werden können aufgrund negativer Entwicklung des Cash Flows.

3. Entwicklung der liquiden Mittel

Das dritte Stück im Modell zur Liquiditätsplanung bildet die Entwicklung der liquiden Mittel. Der Bestand an liquiden Mitteln hat eine Sicherungsfunktion und stellt einen Puffer zum Ausgleich von Einnahmen und Ausgaben über die Monate bzw. im Jahr insgesamt dar. Zum einen können Liquiditätsüberhänge der Erfolgs-, Investitions- und Finanzsphäre in eine Verstärkung dieser Position fließen, zum anderen können temporäre Ausgabeüberhänge in begrenztem Umfang durch diese Position abgefangen werden.

II. EDV-gestütztes Modell zur Liquiditätsplanung

Die Umsatzzahlen für die Monate und das Jahr insgesamt stammen aus der Umsatzprognose bzw. Umsatzplanung des Erfolgsplanungs-Modells. Die Umsatzeinnahmen ergeben sich aus den Umsatzzahlen über stochastische Zahlungsverteilungen, die auf firmenspezifischer Erfahrung beruhen und in Formelgestalt im EDV-Programm verankert sind.

Die umsatzabhängigen Kosten werden über Kostenfunktionen aus den Leistungs- bzw. Umsatzzahlen abgeleitet, um anschließend über stochastische Zahlungsverteilungen in umsatzabhängige Ausgaben umgeformt zu werden.

Die zugrundeliegenden Zusammenhänge lassen sich in einem Tabellenkalkulations-Programm über Formeln und Beziehungsgleichungen erfassen, sodass ein einfach zu handhabendes, mit unterschiedlichen Daten beschickbares Simulationsmodell als Instrument der Liquiditätsplanung entsteht.

Die Planung der Erfolgszahlungen liefert als zentrale Information die Verteilung des Cash Flow über die Monate und für das Jahr insgesamt. Diese Zahl verdeutlicht, in welchen Abschnitten des Jahres aus dem betrieblichen Erfolgsprozess mit Liquiditätsbelastungen bzw. Liquiditätsüberschüssen zu rechnen ist.
Da die Zusammenhänge im EDV-Programm über Formeln erfasst sind, kann die Unternehmensleitung die Liquiditätsplanung in Simulationsläufen für verschiedene denkbare Erwartungslagen durchspielen und sich Klarheit darüber verschaffen, welche Entwicklungen liquiditätskritisch verlaufen können und Vorsorgemaßnahmen erfordern.

Die erfolgsneutralen Zahlungen sind zunächst aufgrund getroffener Festlegungen bzw. dispositiver Entscheidungen der Unternehmensführung in die Planung einzufügen. Der Finanzsaldo des erfolgsneutralen Zahlungsgeschehens wird dem Zahlungseffekt der Erfolgszahlungen, dem Cash Flow, gegenübergestellt; es ergibt sich ein Gesamteindruck der finanziellen Realisierbarkeit der Planung. Unter Umständen sind bereits jetzt so gravierende Fehlentwicklungen erkennbar, dass Alternativen in den Investierungs- und Finanzierungsvorgängen überlegt werden müssen.
Da der Sektor der erfolgsneutralen Zahlungen ebenfalls über Formeln strukturiert und als EDV-gestütztes Simulationsmodell angelegt ist, kann die Unternehmensleitung unterschiedliche Reaktionen im Modell testen, die Auswirkungen auf die gesamte Liquiditätsplanung überprüfen und gegebenenfalls in einer Abfolge von Simulationsläufen die unternehmenspolitisch bestgeeigneten Anpassungsmaßnahmen zusammenstellen.

Die liquiden Mittel sind im Rahmen des Modells zur Liquiditätsplanung eine weitere Steuerungsgröße. Der finanzielle Ausgleich wird im kurzfristigen Bereich in erster Linie über die Liquiditätsposition erfolgen, gegebenenfalls unter Einbeziehung offener Kreditlinien. Wenn hier keine Anpassungsmöglichkeiten mehr bestehen oder Ungleichgewichte nicht nur vorübergehender Natur sind, müssen Umstellungen in den Einnahme-Ausgabe-Strömen vorbereitet werden. Die erfolgsneutralen Investierungs- und Finanzierungs-Zahlungen sind kurzfristig zum Großteil leichter durch die Unternehmensführung zu disponieren als Erfolgszahlungen, sodass im nächsten Schritt vorrangig an diesem Punkt Änderungen mit Liquiditätswirkung ansetzen werden. Eingriffe im Bereich der Erfolgszahlungen scheiden nicht prinzipiell für Liquiditätsmaßnahmen aus, bedürfen aber, abgesehen von Zahlungszielaktivitäten, in der Regel längerer Vorbereitung, sodass ihr volles Gewicht vor allem bei zeitlich etwas später angesiedelten Eingriffserfordernissen zur Geltung kommt.

Das Modell zur Liquiditätsplanung ist in Aufbau und Funktionenverzahnung mit Hilfe von Tabellenkalkulationsprogrammen rechentechnisch zu verwirklichen. Mit einem derartigen EDV-gestützten Simulationsmodell zur Liquiditätsplanung besteht für die Unternehmensführung mittelständischer Betriebe die Möglichkeit, das Liquiditätsgeschehen zielorientiert durchdenken, Liquiditätsengpässe und -überhänge im Verlauf der Monate und für das Jahr als Ganzes planerisch erkennen und Anpassungsstrategien austesten zu können.

Insgesamt ermöglicht ein derartiges EDV-gestütztes Modell zur Liquiditätsplanung

  • Problemdiagnose durch Feststellung auftretender Engpässe im Liquiditätsfeld
  • flexible Überprüfung und Testung unterschiedlicher Anpassungsmaßnahmen
  • verbesserte liquiditätspolitische Entscheidungen

Eine solche EDV-gestützte Liquiditätsplanung kann der finanziellen Führung mittelständischer Betriebe eine neue Dimension an Durchdachtheit und Vorbereitung geben und zu einem Instrument der Insolvenzvorsorge werden.

III. Zusammenfassung

Aus der Umsatz- und Kostenplanung lässt sich die Liquiditätsplanung ableiten. Mit Hilfe stochastischer Zahlungsverteilungen werden die Umsatz- und Kostengrößen in Erfolgseinnahmen und Erfolgsausgaben übersetzt. Die Erfolgszahlungen müssen um die erfolgsneutralen Zahlungen als zweites Feld der Liquiditätsplanung ergänzt werden. Die Beziehungen zwischen den verschiedenen Zahlungen sind als Rechenstruktur im Tabellenkalkulationsprogramm erfasst. Mit einem derartigen Modell ist im Sinne der Problemdiagnose zu erkennen, zu welchen Zeitpunkten des Jahres z. B. Liquiditätsunausgewogenheiten auftreten und Anpassungsmaßnahmen nötig sind. Das Modell ist als EDV-gestütztes Simulationsmodell angelegt, sodass die Unternehmensleitung unterschiedliche Maßnahmen zur Liquiditätsverbesserung testen kann, um eine im Gesamtgefüge der Zusammenhänge durchdachte Liquiditätspolitik und Insolvenzvorsorge zu erreichen.

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