Kapitalbedarfsplanung

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Kapitalbedarf planen
Kapitalbedarf ermitteln

Für Gründung und Aufbau eines Unternehmens benötigt man bestimmte Beträge. Man spricht hier vom Kapitalbedarf. Es braucht eine genaue Kapitalbedarfsplanung, um zu wissen, mit welchen Beträgen hierbei zu rechnen ist. So lassen sich Liquiditätsprobleme vermeiden und potentiellen Geldgebern, Investoren oder Kreditgebern kann fundiert begründet werden, welche Summe benötigt wird.

Bei der Kapitalbedarfsplanung wird zwischen langfristigem Kapitalbedarf und kurzfristigem Kapitalbedarf unterschieden. Zum langfristigen Kapitalbedarf (Investitionen) gehören Anlagevermögen wie Grundstücke, Fahrzeuge und Maschinen. Zum kurzfristigen Kapitalbedarf (Betriebsmittel) gehören beispielsweise Materialkosten und die laufenden Kosten.

Daüber hinaus müssen bei der Planung des Kapitalbedarfs speziell in der Startphase aufkommende finanzielle Belastungen, wie Aufwendungen für Kredite o.ä., berücksichtigt werden.

Die Planung des Kapitalbedarfs sollte nicht zu kurzfristig ausfallen. Abhängig vom geplanten Unternehmen kann im Einzelfall auch ein länger Zeitraum von zwei Jahren angesetzt werden. Zudem rechnet es sich langfristig selten, am falschen Ende zu sparen. Wer nach der Planung des Kapitalbedarfs und der Sicherung der Finanzierung feststellt, dass die eine oder andere weitere Investition sinnvoll und wichtig gewesen wäre, läuft Gefahr, diese über teurere Dispositionskredite zu finanzieren, anstatt über einen zinsgünstigeren mittel- bis langfristigen Kredit oder Investoren.

Kapitalbedarfsplanung – wichtige Faktoren und Begriffe

Anlagevermögen

Die Berechnungen für den Kapitalbedarf für das sogenannte Anlagevermögen lässt sich relativ einfach ermitteln. Denn zum Anlagevermögen gehören Investitionen, die dem Unternehmen langfristig zur Verfügung stehen wie Gebäude, Maschinen und Fahrzeuge. Die Höhe der Kosten für das Anlagevermögen lässt sich von Existenzgründern durch das Einholen verschiedener Angebote und Vergleiche schnell und genau feststellen.

Umlaufvermögen

Zum Umlaufvermögen gehören Waren- und Materialkosten ebenso wie die Betriebskosten in der Startphase. Lassen sich die Aufwendungen für Waren und Produktion noch recht einfach berechnen, so stellen die Betriebskosten mit den laufenden Aufwendungen für Energiekosten, Löhne und Gehälter schon eine kompliziertere Rechnung dar. Faktoren wie die Lagerdauer, Zahlungsmodalitäten für Kunden, laufende Kosten für Fahrzeuge, Kreditzinsen und vieles mehr müssen hier bei der Planung berücksichtigt werden.

Gründungskosten

In der Anfangsphase fallen für ein Unternehmen neben den Aufwendungen für das Anlage- und das Umlaufvermögen besondere, meist einmalige Kosten an. Dazu gehören zum Beispiel zu zahlende Gebühren bei der Anmeldung eines Gewerbes, Notar- und / oder Anwaltskosten sowie Maklerprovision o.ä..

Private Kosten

Wer ein Unternehmen gründet, braucht meist eine gewisse Zeit bis er schwarze Zahlen schreibt. Die privaten Kosten, die man in der Gründungsphase decken muss, können ebenfalls in die Ermittlung des Kapitalbedarfs einfließen, insofern sie nicht durch private Reserven und Ersparnisse gedeckt sind. Den Zeitraum, den es zu überbrücken gilt bis die ersten Gewinne verzeichnet werden, sollte man dabei nicht zu kurz ansetzen. Hier mindestens ein halbes Jahr einzuplanen ist realistisch.

Reserven einplanen

Die Kosten für den Kapitalbedarf sollten nicht zu knapp bemessen werden. Im Idealfall planen Existenzgründer noch Kosten für Unvorhergesehenes mit ein. So kann es immer einmal zu Verzögerungen bei der Eröffnung des Unternehmens kommen, womit Umsätze ausfallen. Oder die Geschäfte laufen besser als gedacht und man muss zusätzliches Material einkaufen oder einen weiteren Mitarbeiter einstellen.

Finanzierung des Kapitalbedarfs

Vor allem die langfristigen Investitionen werden bei Existenzgründern in erster Linie über Kredite bei der Hausbank gedeckt. Auch öffentliche Mittel können in Anspruch genommen werden:  abhängig u.a. von der Art des Unternehmens und den eigenen Mitteln gibt es die Möglichkeit, einen Gründerzuschuss oder einen Gründerkredit zu besonderen Konditionen zu erhalten.
Die Betriebsmittel werden häufig über den Dispositionskredit bezahlt.
Des Weiteren sind auch (Teil-)Finanzierungen über Investoren, Crowdinvesting oder das private Vermögen denkbar.

Wichtig um mit dem Startkapital gut zu Haushalten ist ein effektives Wirtschaften des Unternehmens. Der Betriebsmittelbedarf kann z.B. durch durchdachte Lagerung und eine konsequente Prüfung von Zahlungseingängen so gering wie möglich gehalten werden.

Ermitteln des Kapitalbedarfs Beispiel

Frau R. möchte sich mit einem kleinen Concept Store in der Bremer Innenstadt selbständig machen. Bei der Kapitalbedarfsplanung geht es für sie daher vor allem um die Kosten für das Ladengeschäft und die laufenden Kosten. Ihre privaten Kosten kann Frau R. in den ersten Monaten durch ihre Ersparnisse decken. Den Zeitraum bis sie die ersten Gewinne erzielt setzt sie auf sechs Monate an.

Langfristige Investitionen:

Ladeneinrichtung 17.000 €
Mietkaution 3.600 €
Computer 1.650 €
Reserve für spätere Investitionen / Liquiditätsreserve 7.000 €

Gesamt: 29.250

Kurzfristige Investitionen:

Warenkosten 16.000 €
Maklerprovision 2.400 €
Aufwendungen für Versicherungen 200 €
Laufende Kosten für die ersten sechs Monate:
Miete für das Ladengeschäft 7.200 €
Nebenkosten Ladengeschäft 1.800 €
Aufwendungen für Telefon und Internet 216 €
Lohnkosten für Aushilfe im Verkauf (450 €- Basis mit Pauschalabgaben und Versicherung) 3.563 €
Tilgung Kredit und Kreditzins 2.100 €

Gesamt: 33.499 €

Gründungskosten:

Gewerbeanmeldung 60 €
Eintrag ins Handelsregister 200 €
Beratungskosten 250 €

Gesamt: 510 €

Damit hat Frau R. einen Kapitalbedarf von 63.259 €.

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