Galeriemethode

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Galeriemethode im Unternehmerlexikon, Definition, Beispiel und ErklärungDie Galeriemethode ist eine Kreativitätstechnik, die sich besonders für die Anwendung in kleinen Gruppen eignet. Die Ideen werden über Skizzen, Zeichnungen, Tabellen und andere graphische Darstellungen in einem strukturierten Wechsel von Einzelarbeit und Gruppendiskussionen entwickelt und konkretisiert. Insbesondere bei der Erarbeitung von Lösungen für Konstruktions- oder Designprobleme wird die Galeriemethode gerne angewandt. Jedoch sind eine Vielzahl anderer Anwendungsfelder, wie zum Beispiel die Entwicklung von Geschäftskonzepten, komplexere Planungen oder Analysen, denkbar.

Die 1978 von Hellfritz entwickelte Methode gehört zu den sogenannten Konferenz- oder Brainwritingmethoden (siehe hierzu Artikel Brainwriting im Lexikon). Bei diesen werden Lösungen erarbeitet, in dem eine intuitive, spielerische Generierung von Ideen und eine logisch-strukturierte Herangehensweise an die jeweilige Problemstellung miteinander kombiniert werden.

Phasen der Galeriemethode

Vorbereitung:

Der Projektleiter wählt im Vorfeld der Sitzung geeignete Mitarbeiter aus und stellt die Projektgruppe zusammen. Eine Gruppengröße von fünf bis sieben Personen hat sich in der Praxis als ideal erwiesen, jedoch sind auch minimale Gruppengrößen von zwei Personen bis hin zu Grupenstärken von 15 Personen denkbar. Der Raum sollte groß genug sein, um ein ungestörtes, individuelles Arbeiten eines jedes Mitarbeiters zu gewährleisten. Für die Präsentation der Ideen sollten freie Wände vorhanden sein, oder aber Stellwände bzw. Flipcharts in Form einer Galerie aufgestellt werden können. Auch hier ist auf eine nicht zu enge Umgebung zu achten, da sich die Teilnehmer, wie in einer Galerie, frei vor den Präsentationen bewegen sollen. Als Arbeitsutensilien sind ausreichend Papier, Stifte, Klebeband oder Pins bereitzuhalten. Als Zeitaufwand sind – abhängig von der Komplexität des Problems – eine bis mehrere Stunden einzuplanen.

Einführung:

Im Rahmen der Vorbereitung wird das Problem genau umrissen und mit Hilfe einer klaren Frageformulierung den Teilnehmern präsentiert. Diese Fragestellung wird auf einer Flipchart oder einer Pinnwand notiert und für alle Mitarbeiter gut sichtbar im Raum platziert.

Ideengenerierung:

Im Anschluss entwickeln die Teilnehmer in Einzelarbeit Lösungsvorschläge und stellen diese auf einer Flipchart oder großen Papieren dar. Hierbei sind vor allem skizzenhafte Zeichnungen gefragt. Die Lösungsskizzen werden nun an Wänden oder Stellwänden so befestigt, dass alle anderen Teilnehmer die Möglichkeit haben, die Ideen der Kollegen wie in einer Galerie zu betrachten. Hierbei gelten die Grundregeln wie bei anderen Brainstorming-Techniken: Die Ideen der Kollegen werden nicht kritisiert, ungewöhnliche Einfälle sind wünschenswert, und die Übernahme und Weiterentwicklung fremder Ideen ist ausdrücklich gewollt. Vor allem Letzteres stellt einen wesentlichen Aspekt der Galeriemethode dar. Daher sollten sich die Teilnehmer während der Betrachtung der anderen Lösungsansätze alle Anregungen und Assoziationen notieren, die sie gegebenenfalls auf ihre eigene Lösungsskizze anwenden könnten. In einer anschließenden Gruppendiskussion ist nun der Raum offen für Meinungsäußerungen. Nach der Diskussion begeben sich die Teilnehmer erneut in die Einzelarbeit. Sie überarbeiten ihre Ursprungsskizze, die unter Berücksichtigung des Gesehenen und Gehörten weiterentwickelt oder umgestaltet wird.

Auswahl und Abschluss:

Abschließend werden die Lösungen vorgestellt und auf ihre praktische Umsetzbarkeit hin untersucht. Im Rahmen einer gemeinsamen Diskussion werden hierbei die Vor- und Nachteile der jeweiligen Ideen ermittelt und die besten Lösungen ausgewählt.

Kritik zur Galeriemethode

Im Gegensatz zu vielen anderen Kreativitätstechniken setzt die Galeriemethode weniger auf das gesprochene oder das geschriebene Wort, sondern nähert sich neuen Lösungen über einen bildhaften Ansatz. Hierdurch werden die bei herkömmlichen Methoden in der Regel weniger genutzten Hirnareale angesprochen, was der Erarbeitung innovativer Ideen dient. Doch auch die systematisch-logische Herangehensweise ist in die Galeriemethode integriert, so dass bei aller gedanklichen Freiheit stets strukturiert auf ganz konkrete Lösungen hingearbeitet werden kann.

Kreativitaetstechnik, Galerie-Methode statt BrainstormingEine weitere Stärke der Methode liegt in der Kombination aus Einzel- und Gruppenarbeit. Die Einzelarbeit ermöglicht es, individuelle Lösungsansätze in ausgereifterer Form einzubringen, als es zum Beispiel im Rahmen des klassischen Brainstormings möglich ist. Auch werden gruppendynamische Effekte am Beginn der Ideengenerierung verhindert, wodurch auch weniger durchsetzungsstarke oder rangniedere Mitarbeiter ihre Lösungsansätze entfalten können. Die Vorteile der Gruppenarbeit werden in der anschließenden Diskussion der eingebrachten Vorschläge genutzt. Durch diesen Wechsel von individueller und kollektiver Herangehensweise eignet sich die Galeriemethode insbesondere auch sehr gut für den Einsatz in heterogenen Arbeitsgruppen. So können Fachkräfte aus verschiedenen Spezialgebieten ebenso in die Planungs- und Entwicklungsphase einbezogen werden, wie auch Mitarbeiter unterschiedlicher Hierarchiestufen. Hierbei gilt jedoch, wie bei allen Kreativitätstechniken, dass Mitarbeiter, die in einem direkten Weisungsverhältnis zueinander stehen, möglichst nicht gemeinsam teilnehmen sollten, um Hemmungen bei der freien Äußerung der Gedanken zu vermeiden.

Die Nachteile der Galeriemethode liegen in einem relativ hohen Zeitaufwand, der in Abhängigkeit von der Komplexität der Problemstellung variiert. Darüber hinaus ist es unter Umständen schwierig, die verschiedenen in Einzelarbeit entwickelten Lösungsvorschläge zu einer allgemein akzeptierten Lösung zusammenzufügen.

Galeriemethode, ein Beispiel

An folgendem Beispiel soll verdeutlicht werden, wie die Galeriemethode als Kreativitätstechnik im Unternehmen eingesetzt werden kann.

Beispiel:
Auch bei der Bearbeitung von Problemen in der Aufbauorganisation, in der Prozessgestaltung oder bei teaminternen Problemen kann die Galeriemethode gut zur Anwendung kommen. So hat im Rahmen der Einzelarbeit jeder Mitarbeiter zunächst ungestört die Möglichkeit, seine eigene Vorstellung von der Zusammenarbeit zu skizzieren. Dies kann sich auf Arbeitsabläufe ebenso beziehen wie auf die Aufbauorganisation.

Mit Hilfe der bildhaften Darstellung können aktuell eventuell noch schwer zu benennende Probleme visualisiert und damit bewusst gemacht werden. Zeichnungen von Prozessabläufen und problematischen Schnittstellen helfen, die neuralgischen Punkte in der Zusammenarbeit zu erkennen. Durch die individuelle Arbeit können vorhandene Schwierigkeiten oft auch besser benannt werden, als es in einer Gruppensituation möglich ist. Indem verschiedene Sichtweisen bildlich betrachtet werden können, erhalten andere Mitarbeiter einen Eindruck von der Wahrnehmung ihrer Kollegen, und haben die Möglichkeit, die eigene Sichtweise zu überprüfen und gegebenenfalls zu relativieren. So können subjektiv empfundene Schwierigkeiten und objektive Mängel im Aufbau des Teams oder bei der Gestaltung der Abläufe voneinander unterschieden werden.

Die hierbei gewonnenen Erkenntnisse bilden eine wertvolle Grundlage für die anschließende Gruppendiskussion, in der sich idealerweise der Fokus auf die wesentlichen, als besonders störend wahrgenommenen, oder die von besonders vielen Personen benannten, Probleme verlagern wird. Möglicherweise leiden ja alle Teammitglieder unter unklaren Vertretungsregelungen, oder es bestehen ungerechte Überlastungssituationen, die sich zunächst störend auf die Motivation Einzelner, in der Folge jedoch negativ für die gesamte Teamperformance auswirken. Werden diese Probleme in der Gruppendiskussion klar benannt, können alle Teilnehmer ihre individuell überarbeiteten Lösungsskizzen gezielt auf die Behebung jener Schwachstellen ausrichten.

Unabhängig davon, welche Lösungsvorschläge am Ende von den Teilnehmern ausgewählt werden, wird das Bewusstmachen der Schwachstellen in der Zusammenarbeit und die anschließende gemeinsame Diskussion hierüber, bereits eine signifikante Veränderung in der Zusammenarbeit bewirken. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Bearbeitung von Team- oder Gruppenproblemen ein hohes Maß an sozialer und methodischer Kompetenz erfordert und eine besondere Sensibilität des Moderators für die Dynamik innerhalb der Gruppe voraussetzt.

Ergänzend zu diesem Artikel empfehlen wir Ihnen auch die Artikel zur Walt-Disney-Methode im Lexikon.

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