Dropshipping

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Dropshipping, Erklärung und Definition im UnternehmerlexikonDas Dropshipping ist eine Sonderform des Versandhandels aus logistischer Sicht. Das Wort „Dropshipping“ stammt ursprünglich aus den USA und bedeutet Streckengeschäft oder auch Streckenhandel. Geschrieben werden kann es auch mit Bindestrich: Drop-Shipping. Wenn das Dropshipping auch in den USA schon lange Zeit Verwendung findet und sich gut auf dem Markt etabliert hat, so setzt es sich in Deutschland doch erst langsam durch. In den letzten 10 Jahren wurde diese Geschäftsstrategie vielfach in Zusammenhang mit dem Online-Handel und dem Geldverdienen im Internet etabliert.

Dropshipping: Ablauf der Handelskette

Der konventionelle Handel durchläuft vier Stufen:

  1. Der Hersteller produziert die Ware. Sein Kerngeschäft besteht somit in der Produktion und Entwicklung der angebotenen Produkte.
  2. In den meisten Fällen wird die Ware an Großhändler vertrieben. Der Großhändler als Bindeglied zwischen dem Hersteller und dem Endkunden stellt sich der logistischen Herausforderung.
  3. Der Einzelhändler, Zwischenhändler oder Wiederverkäufer kauft die Ware vom Großhändler und verkauft sie an den Endkunden.
  4. Der Endkunde kauft und nutzt die Ware nach seinen Wünschen.

Beim Dropshipping erwirbt ein Händler Ware von einem Lieferanten und verkauft sie an seine Kunden weiter. Dabei kommt er selbst mit der Ware nicht in Berührung. Die Ware wird direkt vom Lieferanten an den Kunden ausgeliefert. Der Händler spart sich auf diesem Weg Lager-, Transport- und Personalkosten. Der Hersteller oder Großhändler, von dem er die Ware bezieht, braucht den Kunden nicht zu akquirieren und auch nicht zu betreuen. Das allein ist Sache des Händlers.

Dropshipping, Handelskette

Das Dropshipping kann der Einzelhändler mit seinem Laden, der Tür-zu-Tür-Verkäufer oder der Online-Händler gleichermaßen nutzen. Der Händler wird mit Dropshipping viel mehr Produkte anbieten als mit seinen eigenen Einkaufsmöglichkeiten allein. Als Zusatzgeschäft kurbelt Dropshipping den Umsatz über viele Verkaufskanäle an.

Alternativen zum Dropshipping wären das Cross-Docking, der Direkteinkauf, die Direktlieferung, der Flow-Through, die Konsignation, die Kommission und die Lagerlieferung.

Beispiele zum Dropshipping

Hier einige Beispiele, welche den Grundgedanken des Dropshipping erklären sollen. In beideb Beispielen bezahlt der Kunde an den Händler, bei dem die Ware bestellt wurde. Dieser rechnet im Anschluss mit dem tatsächlichen Lieferanten ab:

Lieferung von Verbrauchsmaterialien
Ein Kunde besitzt einen Drucker, den er täglich benutzt. Wenn er neue Druckerpatronen benötigt, besucht er den Internetshop des Herstellers und bestellt die gewünschte Ware. Der Versand der Druckerpatrone erfolgt jedoch von einem Zulieferer oder einem Großhändler.

Versand eines mobilen Surfsticks
Eine Kundin hat sich ein Netbook gekauft und möchte nun, da sie häufig unterwegs ist, einen mobilen Surfstick mit einer Monatsflat von ihrem Kabelanbieter erwerben. Sie ruft am Abend bei der Hotline an und gibt ihre Bestellung auf. Der gebrandete Surfstick wird von einem Partnerunternehmen an die Kundin versandt.

Vorteile für den Händler

Der Händler benötigt kein Lager bzw. hält seinen Lagerbestand gering. Er hat keinen Aufwand mit dem Verpacken und Versenden der Ware. Da er vom Kunden das Geld sehr zeitnah erhält, kann er gegenüber dem Hersteller oder dem Großhändler Zahlungsziele ausnutzen. In dieser Zeitspanne arbeitet das Geld für ihn.

Nachteile für den Händler

Indem der Händler mit der Lieferung seinen Großhändler beauftragt, gibt er einen wichtigen Teil der Lieferkette ab. Die Art und Weise der Verpackung, die Qualität und die Liefertreue kann er nun nicht mehr beeinflussen.

Mögliche Fehler beim Dropshipping

Ein Händler, der neu in das Streckengeschäft einsteigen möchte, oder ein Existenzgründer können beim Dropshipping eine Menge Fehler machen:

Fachverständnis

Der Händler besitzt keinen persönlichen Bezug zur Ware, die er anbietet. Er kann nicht gut unterscheiden, welche Ware qualitativ hochwertig und welche eher mangelhaft ist. Ihm fehlt das Fachverständnis für die Beurteilung der Marktsituation. Er kann schlecht einschätzen, wer seine Zielgruppen sind und welchen Preis er kalkulieren muss.

Schnittstellen

Um mit dem Käufer und dem Lieferanten gut kommunizieren zu können, benötigt der Händler programmtechnische Schnittstellen. Bei jeder Bestellung muss er ganz genau wissen, ob dieses Produkt lieferbar ist und was es genau kostet. Die Synchronisation mit den Daten des Lieferanten sollte einmal täglich erfolgen. Auch der Großhändler benötigt für den Versand seiner Waren zeitnahe Daten.

Marktanalyse

Jedes einzelne Produkt sollte mit seinen marktüblichen Preisen und Optionen recherchiert werden. Bei den geringen Margen, die ein Dropshipping-Händler verkaufen kann, ist sein Einkaufspreis beim Hersteller oder Großhändler relativ hoch. Mit diesen Produkten und diesen Preisen sollte er Angebote kreieren, die es noch nicht oder selten auf dem Markt gibt.

Investitionskosten beim Dropshipping

Auch ein Dropshipping-Händler investiert (siehe auch Artikel Investment im Lexikon) vor dem Start finanzielle Mittel für seine Büroausstattung, die Büromiete und vor allem die Software. Je nach Produktumfang und eigenem Anspruch kosten ein Shop und ein Warenwirtschaftssystem etwa zwischen 1000 und 100.000 EUR. Know-How sollte auch eingekauft und Zeit für die ersten Kontakte und das Marketing geplant werden.

Lieferanten

Drop-Shipping, auch StreckengeschäftEs ist nicht selten, dass ein Dropshipping-Einsteiger zuerst mit den falschen Lieferanten zusammenarbeitet oder die falschen Einstiegsprodukte gewählt hat. Service, Qualität und Preis der Ware müssen stimmig sein, damit der Händler früher oder später von seinem Geschäft leben kann.

Alles in allem ist das Dropshipping jedoch eine Handelsstrategie, die wenig Eigenkapital benötigt. Internethandel und Versandhandel sind weltweit akzeptierte Geschäftsmöglichkeiten. Gerade dafür bietet Dropshipping beste Einstiegschancen.

In jüngster Zeit

In jüngster Zeit ist das Modell „Dropshipping“ in den Medien oft in Kritik geraten. Hintergrund: Junge und unerfahrene Händler haben online einige E-Commerce-Plattformen gestartet und wollten die Ware über Droppshipping-Verträge mit Lieferanten ausliefern. Die Lieferanten (sie kamen nicht selten aus dem osteuropäischen oder gar aus dem chinesischen Ausland) haben Ihrerseits aber gar nicht geliefert oder sie haben gefälschte Ware geliefert. Die Kundenbeschwerden sind an den unerfahrenen Online-Jungunternehmern hängen geblieben, die natürlich nicht adäquat auf die Beschwerden Ihrer Kunden reagieren konnten.

Diese Situation zeigt, dass es viel Zeit, noch mehr Vertrauen und Erfahrung und sehr gute Verträge braucht um das Geschäftsmodell des Drop-Shippings richtig ausspielen zu können und um damit als Unternehmer erfolgreich aggieren zu können.

Ergänzend empfehlen wir Ihnen im Lexikon auch unsere Artikel zur ABC-Analyse, zum Cross Selling und zur Reihenfertigung.

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