Dresscode

Dresscode im Business: Was Unternehmer bei Kundenterminen, Investorengesprächen und Verhandlungen tragen sollten

Dresscode im Business: Was Unternehmer bei Kundenterminen, Investorengesprächen und Verhandlungen tragen sollten

Kleidung ist im geschäftlichen Bereich ein nonverbales Signal, das binnen Sekunden über Sympathie, Kompetenzzuschreibung und Verhandlungsposition mit entscheidet. Studien zur Personenwahrnehmung belegen, dass Einschätzungen über Kompetenz und Vertrauenswürdigkeit häufig bereits nach wenigen Sekunden gefestigt sind. Für Unternehmerinnen und Unternehmer sind Dresscodes bei Kundenterminen, Investorengesprächen oder Vertragsverhandlungen somit kein modisches, sondern ein kommunikatives Thema.

Dresscode im Business: Was Unternehmer bei Kundenterminen, Investorengesprächen und Verhandlungen tragen sollten

Die klassischen Business-Dresscodes im Überblick

Im deutschsprachigen Raum haben sich vier Dresscode-Stufen etabliert, die sich an internationalen Standards orientieren. Business Formal ist die strengste Form und wird bei repräsentativen Anlässen, hochrangigen Verhandlungen sowie im Bankenumfeld erwartet. Dazu gehören dunkle Zweiteiler in Anthrazit, Marineblau oder Schwarz, darunter ein weißes oder hellblaues Hemd, eine gedeckte Krawatte und darunter geschlossene Lederschuhe im Oxford oder Derby.

Alltagsformal ist die Business Professional im klassischen Beratungs-, Kanzlei- und Finanzumfeld – sie erlaubt schon mehr Farbe bei Hemden und Krawatten. Business Casual braucht keine Krawatte, trägt Sakko und Chino oder Wollhose, ist im Gentleman-Style inzwischen in Agenturen, Tech-Unternehmen und Teilen des Mittelstands geläufig. Der gehobene Freizeitstyle Smart Casual auch Strickpullover, Loafer, offene Kragen, liegt aber noch jenseits von Jeans und Sneakern.

Wer regelmäßig zwischen diesen Ebenen wechselt, braucht eine Grundausstattung. Ein hochwertiger Business Anzug für Herren in gedeckter Farbe bildet die Basis, die sich je nach Farbkombination von Hemd, Krawatte und Schuhen in verschiedene Richtungen „dekorieren“ lässt.

Auswahlkriterien: Stoff, Passform, Verarbeitung

Die Qualität eines Anzugs bemisst sich an verschiedenen nachprüfbaren Kriterien. Beim Stoff ist die Super-Zahl, die die Feinheit der Wollfasern angibt, ein vertrauter Qualitätenindikator. Anzüge im Bereich Super 100 bis Super 130 gelten als alltagstauglich, da sie ein gutes Verhältnis von Faserfeinheit zu Strapazierfähigkeit zeigen. Höhere Super-Zahlen ab 150 wirken edler, sind jedoch knitter- und abriebempfindlicher, das heißt, für den Reisealltag weniger geeignet. Echte Schurwolle mit Herkunftsnachweis erkennt man an dem seit 1964 vergebenen Woolmark Zertifikat.

Der nächste Punkt der Verarbeitung ist die Konstruktion des Sakkos. Vollkanvasierte Sakkos, bei denen ein Zwischenstoff aus Rosshaar frei zwischen Scheide- und Futterstoff sitzt, passen sich der Körperform an und behalten Jahre ihre Form. Halbkanvasierte Modelle sind ein Kompromiss. Verklebte Einlagen sind billiger, neigen aber nach mehrfacher Reinigung zur Blasenbildung. Die Passform überprüft man an drei Punkten: Die Schulternaht endet exakt am Schultergelenk, der Hemdkragen ist am Nacken ca. einen Zentimeter sichtbar, die Sakko-Länge bedeckt das Gesäß völlig.

Anlassgerechte Feinabstimmung

Jeder Geschäftstermin erfordert nicht dieselbe Kleidung. In einem Investorengespräch fährt man auf die sichere Seite, denn Investoren spiegeln Risiko und Vertraulichkeit. Ein dunkelblauer Zweiteiler mit weißem Hemd tut viel für die Seriosität, ohne zu sehr zu isolieren. Bei Kundenterminen im Mittelstand sollte die Kleidung auf die Branche des Gegenübers abgestimmt sein. Bei einem Besuch eines Handwerksbetriebes wirkt man im Business Formal fehl am Platz, bei einer Kanzlei ist die vollständige Kombination Pflicht. Die Grundformel lautet: Man kleide sich eine Stufe formeller als seine Gesprächspartner, jedoch nicht mehr.

Vertragsverhandlungen verlangen erhöhte Aufmerksamkeit für das Detail. Von vorne sichtbare Markenzeichen, großer Schmuck, zu enger Schnitt sind Machtgeste und zeugen von Unsicherheit, was in einer Verhandlung ernst fehlinterpretiert werden kann. Bei internationalen Treffen sind bestimmte kulturelle Codes zu beachten. Der dunkle Anzug mit weißem Hemd ist in Japan im Geschäftsleben fast schon vorgeschrieben, während in den skandinavischen Ländern ein eher unbekümmerter Business-Casual-Stil bevorzugt wird. Im angelsächsischen Bankenumfeld gilt nach wie vor der klassische Zweiknopfanzug als Inbegriff der Zugehörigkeit.

Farben, Muster, Accessoires

Farben haben im Berufsleben eine Aussage. Marineblau signalisiert Vertrauen und Kompetenz, Anthrazit steht für Autorität, Mittelgrau ist neutral. Schwarz kommt nur bei formalen Abendanlässen und Trauerfeiern zum Zuge, hat sich jedoch für das Tagesgeschäft allmählich akzeptiert. Bei den Mustern sollte man sich auch zurückhalten. Feine Nadelstreifen und Fischgrat sind chic, großflächige Karos und kontrastreiche Streifen erschweren jedoch zudem bei Videoaufzeichnungen und Pressefotos das Arbeiten, da sie Moiré werden. Bei den Accessoires ist Bescheidenheit der Weg. Ein guter Ledergürtel in der gleichen Farbe wie die Schuhe, eine schlichte Uhr und ein einfarbiges Einstecktuch sind ausreichend. Krawatten bitte in Seide mit dezenten Mustern, etwa Krawatten aus Como oder englischer Grenadine sind Standard. Die Länge muss an der Gürtelschnalle enden. Manschettenknöpfe sind bei Doppelmanschetten angesagt, doch auch hier gilt es schlicht zu bleiben.

Wer öfters einmal repräsentiert, sollte sich mindestens drei bis fünf Anzüge im Rotationszyklus leisten, damit sich die Fasern zwischen den Einsätzen entspannen können. Die einschlägige Fachliteratur zur Textilpflege gibt Ruhezeiten von zumindest 24 Stunden zwischen den Tragetagen und regelmäßiges Bürsten mit einer Naturhaarbürste (zum Abnehmen von Staub und Hautschuppen) an. Chemische Reinigung sollte auf zwei bis vier Zyklen im Jahr beschränkt bleiben, da die verwendeten Lösungsmittel die Wollfasern auf Dauer spröde machen.

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