Reihenfertigung

Reihenfertigung im UnternehmerlexikonDie Reihenfertigung ist eine von mehreren möglichen Fertigungstechnologien, die im Produktionsbereich eines Unternehmens zur Anwendung gebracht werden können.

Generell unterscheidet man bei den Fertigungssystemen in Abhängigkeit von der technischen Gestaltung eines Fertigungsablaufs zwischen Werkstattfertigung, Reihen- oder Fließfertigung und kontinuierlicher Prozessfertigung.

Die Begriffe „Reihen- oder Fließfertigung“ erscheinen oft als Synonyme, doch es besteht zwischen diesen beiden Produktionsarten ein kleiner Unterschied, was das Arbeitstempo betrifft: Bei der berühmt-berüchtigten Fließbandarbeit wird den Mitarbeitern eine genaue Taktzeit vorgegeben; diese Form der Fertigung kann auch „Reihenfertigung mit Zeitzwang“ genannt werden. Bei der Reihenfertigung ohne Zeitzwang hingegen dürfen die Arbeiter ihr Tempo bis zu einem gewissen Grad selbst bestimmen. Letzteres kann allerdings problematisch sein, besonders, wenn es darum geht, sich über den Leistungswert abzustimmen.

Weiterhin kann hinsichtlich der Fertigungstechnologien von Einzel-, Serien oder Massenfertigung die Rede sein. Der ausschlaggebende Faktor für die Unterscheidung zwischen diesen Definitionen ist die Zahl der produzierten Einheiten. Während der erste Begriff eindeutig ist, muss bei Serien- und Massenfertigung genauer definiert werden: Bei der Serienfertigung wird ein Produkt oder eine Produktgruppe zwar in größeren Stückzahlen hergestellt, die Menge bewegt sich allerdings in einem bestimmten, zuvor festgelegten Rahmen. Bei der Massenfertigung hingegen ist die Stückzahl (zumindest theoretisch) unbegrenzt und dem Fertigungsprozess wird vorerst kein Ende gesetzt.

Welche dieser Fertigungstechnologien von einem Unternehmen für die Herstellung seiner Produkte eingesetzt wird, hängt im Wesentlichen davon ab, wie die Lage auf dem Absatzmarkt ist und welchen Umfang das Produktionsprogramm aufweist. Eine Reihen- oder Fließfertigung ist jedenfalls erst dann sinnvoll bzw. rentabel, wenn die monatlichen Absatzmengen weniger schwankend sind und die Produktauflagen steigen.

Räumliche Organisation der Reihenfertigung

Das Organisationsprinzip besteht bei der Reihenfertigung darin, dass die Betriebsmittel, wie z. B. Maschinen und Arbeitstische, gemäß dem Fertigungsablauf bzw. der Reihenfolge der einzelnen Arbeitsschritte angeordnet werden. Die Produktion läuft in Phasen ab, wobei das Werkstück, welches es fertig zu stellen gilt, vom einen zum nächsten Arbeitsort transportiert werden muss. Dabei gilt es im Sinne der Effizienz, darauf zu achten, dass die gereihten Produktionsphasen kontinuierlich miteinander verbunden sind: Nacheinander geschaltete Maschinen werden für gewöhnlich in Richtung des Fertigungsflusses gereiht, während man bei der Aufstellung von nebeneinander geschalteten Arbeitsplätzen auf eine möglichst lückenlose Produktionsfolge bedacht ist.

Beispiel für Reihenfertigung

Man kann in diesem Fall auch von einer „Fließprinzip“ oder dem „Fließprinzip“ sprechen, doch der Unterschied zur Fließfertigung zeichnet sich dadurch aus, dass es keine starre Verknüpfung von Arbeitsplätzen gibt und dass der Objekttransport nur schubweise erfolgt.

Eine möglichst gut durchdachte Gliederung des Reihenfertigungsablaufs ist übrigens einer der wichtigsten Aspekte für eine erfolgreiche Produktion, denn je rationeller die gesamte Organisation gestaltet ist, desto höher sind auch die Kostenersparnisse.

Vorteile gegenüber der Werkstattproduktion

Gegenüber der Einzelfertigung im Rahmen der Werkstattproduktion bietet die Reihenfertigung vor allem hinsichtlich der möglichen Einsparungen im Zeit- und Kostenfaktor sowie bezüglich des Materialverbrauchs einige Vorteile.

Wenn die Organisationsstruktur optimal durchdacht ist, bewirkt dies eine Verkürzung der Transportwege und der Durchlaufzeiten der fertig zu stellenden Objekte. Dies macht die Produktion nicht nur schneller, sondern ermöglicht auch Einsparungen bei Transport- und Lagerkosten. Aufgrund der mehr oder minder kontinuierlichen Prozessabläufe kann zudem der Materialverbrauch genauer bestimmt werden. Dadurch lassen sich Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffbestände stärker reduzieren. Zudem können Halbfertigerzeugnisse auf ein Minimum gesetzt werden, wodurch Zwischenlager umgangen werden können.

Der Kostenfaktor

Positive Auswirkungen hinsichtlich möglicher Einsparungen bei den Kosten gibt es also (siehe oben). Allerdings kann der Kostenfaktor auch negative Effekte mit sich bringen, denn durch kalkulatorische Abschreibungen und Zinsen können, anders als bei der Werkstattfertigung, wesentlich höhere Betriebsmittelkosten entstehen. Zudem ist das gesamte fertigungstechnische System weniger elastisch, denn es lässt sich nur – wenn überhaupt – mit sehr hohen Ausgaben verkleinern. Das Risiko von höheren Leerkosten besteht vor allem dann, wenn die Beschäftigung zurückgeht.

Was bedeutet Reihenfertigung für die Arbeitskräfte?

Der Unterschied zwischen Reihen- und Fließfertigung bei den Tempovorgaben macht im Wesentlichen auch den Vorteil für die Arbeiter aus: Während bei Fließfertigung nach vorgegebener Zeit gearbeitet werden muss, haben Arbeiter in der Reihenfertigung zeitlich gesehen mehr Freiraum. Es bedarf für gewöhnlich keiner höheren Qualifikation der Arbeiter, da die Anforderungen, welche an sie gestellt werden, eher gering sind. Dass man immer die mehr oder minder gleichen Handgriffe ausführen muss, kann aber zu einer großen psychischen Belastung für das Personal werden. Mangelnde Abwechslung im Tätigkeitsbereich wirkt ermüdend und kann unter Umständen die Motivation deutlich herabsenken. Es besteht allerdings im Rahmen der Reihenfertigung die Möglichkeit, besondere Geschicklichkeit in seinem Aufgabengebiet zu erwerben, was wiederum einen Erfolgseffekt und zudem ein höheres Arbeitstempo begünstigt, welches letztlich dem gesamten Produktionsablauf zugutekommt.

Produktionsspitzen in der Reihenfertigung lassen sich aufgrund der geringeren Anforderungen an die Mitarbeiter hervorragend mit Zeitarbeit abfedern, dass Unternehmen wird so flexibler in der Produktionsplanung.

Einsatzbereiche der Reihenfertigung

Dieser Fertigungstyp wird oft in der Bekleidungs- und Möbelindustrie angewandt. In seiner strengen Form als „Reihenfertigung mit Zeitzwang“ findet man ihn in den verschiedensten Bereichen der industriellen Fertigung, z. B. im Verlags- und Druckergewerbe, der Nahrungsmittelindustrie und nicht zuletzt bei der Automobilfertigung.

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