Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit im Unternehmerlexikon

Nachhaltigkeit im UnternehmerlexikonNachhaltigkeit ist heute ein inflationär gebrauchter Begriff geworden. Für Unternehmen bedeutet das Konzept der Nachhaltigkeit vor allem die gleichzeitige Berücksichtigung ökologischer, ökonomischer und sozialer Aspekte ihres Handelns. Tatsächlich ist die Idee des nachhaltigen Handelns schon 300 Jahre alt und kommt aus der Forstwirtschaft. Carl von Carlowitz, ein Oberberghauptmann aus Sachsen, hat diesen Begriff 1713 erstmalig im Sinne eines verantwortlichen Handelns verwendet. Zu seiner Zeit bestand in ganz Europa eine hohe Nachfrage nach Holz, mehr als die Wälder verkraften konnten. Carlowitz war der Meinung, man solle zukünftig nur so viel Holz schlagen, wie innerhalb eines planbaren Zeitraums nachwachsen könne – nur dann könnten die natürlichen Bestände erhalten werden. Im Kontext eines Unternehmens ist Nachhaltigkeit heute ein Ansatz, der weit reichendere Auswirkungen hat, als nur den Erhalt der Umwelt. Wer nachhaltig handelt, der berücksichtigt die nicht nur seine eigenen Bedürfnisse, sondern ebenso die Bedürfnisse zukünftiger Generationen.

Lange war der Begriff nur in der Wissenschaft zu finden, erst durch den sogenannten Brundtland-Report wurde Nachhaltigkeit zu einem Anspruch auch in der Politik und der Wirtschaft. 1987 wurde der Brundtland-Bericht von einer Expertenkommission der Vereinten Nationen veröffentlicht. Er behandelte die gemeinsame Zukunft der Weltbevölkerung und verwendete erstmal das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung, die sich fortan in internationalen Politikstrategien wiederfand. Angefangen von den internationalen Konferenzen zum Schutz des Klimas bis hin zu umweltpolitischen Konzepten auf internationaler, europaweiter und nationaler Ebene. Durch die fortschreitende Bedrohung durch den Klimawandel und die Endlichkeit fossiler Ressourcen war die Weltgemeinschaft gezwungen neue Ansätze zu entwickeln, um ihren Fortbestand weiter zu sichern. Aus diesem Anspruch leiteten sich auch schnell Ansprüche an Unternehmen ab, deren Verantwortung nicht mehr nur in der Gewinnerzielung zu sehen war, sondern ebenso im verantwortlichen Umgang mit der Umwelt, den Ressourcen und auch den Mitarbeitern.

Nachhaltig: Das Dreieck Ökonomie, Ökologie und sozialesDaraus entstand in den 1990er Jahren das Nachhaltigkeitsdreieck, oftmals auch als Drei-Säulen-Modell dargestellt. Es bedeutet nichts anderes als die gleichbedeutende Berücksichtigung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem. Auch wenn man sich international schnell auf dieses Leitbild verständigen konnte, so ist noch lange nicht klar, was dies im konkreten Fall zu bedeuten hat. Nachhaltigkeit zu definieren ist zunächst einfacher, als Nachhaltigkeit umzusetzen. Deutlich wird dies am ökonomischen Prinzip der Nachhaltigkeit. Die Wirtschaftssysteme der meisten Industrienationen beruhen auf dem Prinzip des stetigen Wachstums, dem genauen Gegenteil einer nachhaltigen Entwicklung, die eher Verzicht und Reduktion fordert. Um dafür eine Balance zu finden, haben sich Modelle entwickelt, mit denen Nachhaltigkeit in den Unternehmen verankert werden soll. Dazu gehört die Corporate Social Responsibility, oder kurz CSR, ein strategischer Managementansatz zur Wahrung und Einhaltung der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen.

Inzwischen gibt es zahlreiche Organisation aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die dem Prinzip der Nachhaltigkeit einen institutionellen Rahmen geben. Dazu gehört auch die im Jahr 2002 erstmals vorgestellte Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. Darin verpflichtet sich Deutschland zu einer nachhaltigen Entwicklung in den Bereichen Generationengerechtigkeit, Lebensqualität, soziale Sicherheit und internationale Verantwortung. Aus diesen vier Bereichen ergeben sich konkrete Aufgaben und Zielsetzungen, beispielsweise der schonende Umgang mit Ressourcen, die Erhaltung der Artenvielfalt oder die angemessene Berücksichtigung des Klimaschutzes. Diese Anforderungen haben auch Auswirkungen auf Unternehmen, etwa durch Gesetze im Bereich der Energieeffizienz oder der Reduzierung von Treibhausgasemissionen. Darüber hinaus haben sich für Unternehmen auch Initiativen gegründet, zu den sich Unternehmen freiwillig bekennen und deren Ziele und Anforderungen sie umsetzen müssen. Dazu gehört der Global Compact der Vereinten Nationen, eine weltweite tätige Nachhaltigkeitsinitiative, deren zehn Prinzipien Unternehmen unterzeichnen und über deren Berücksichtigung sie regelmäßig berichten müssen. Die zehn Prinzipien kommen aus den Bereichen Menschenrechte, Umweltschutz, Arbeitsnormen und Korruptionsbekämpfung. In Ergänzung zum Global Compact hat sich die Global Reporting Initiative (GRI) etabliert, die im Wesentlichen Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung entwickelt. Dazu beraten Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen wie Naturschutzverbände oder Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und politische Vertreter über die Anforderungen an die Nachhaltigkeitsberichterstattung, die dann in den sogenannten GRI-Standards veröffentlicht werden. Alternativ dazu hat sich die internationale DIN ISO 26000 durchgesetzt. Sie beinhaltet ein Regelwerk, an dem sich Unternehmen orientieren können, wenn sie Nachhaltigkeit in ihrem Unternehmen, oder ihrer Organisation praktizieren wollen. Der Rat für nachhaltige Entwicklung, ein Beratungsgremium der Bundesregierung hat darüber hinaus den deutschen Nachhaltigkeitskodex DNK entwickelt. Mit dem DNK wurde ein Standard geschaffen, der das Nachhaltigkeitsmanagement deutscher Unternehmen transparent und vergleichbar machen soll. Dazu müssen die Unternehmen über die Nachhaltigkeitsentwicklung ihres Unternehmens anhand von zwanzig Kernindikatoren berichten. Dabei orientiert sich der DNK auch an den GRI-Vorgaben. Unternehmen, die anhand der GRI-Standards berichten, erfüllen somit auch automatische die Anforderungen des DNK. In der Praxis orientieren sich zahlreiche Unternehmen an mehreren Standards und Berichtsvorschriften. Bislang erfolgten eine nachhaltige Unternehmensführung und die Berichterstattung darüber auf freiwilliger Basis. Auf europäischer Ebene macht sich allerdings die Tendenz breit, die Einhaltung bestimmter Kriterien von Unternehmen zu fordern, dazu gehört beispielsweise die Nachhaltigkeitsberichterstattung an einem international anerkannten Standard.

Nachhaltigkeit im Unternehmen: CSR und PolitikAlle Standards, Initiativen und politischen Absichten orientieren sich dabei an den gleichen gesellschaftlichen Megatrends. Dazu gehören die globale Erwärmung, die Ressourcenknappheit und der demografische Wandel. Unternehmen, die langfristig erfolgreich sein wollen, müssen sich diesen Herausforderungen stellen und ihre Betriebe entsprechend strategisch ausrichten. CSR ist ein Ansatz für die Einbindung der gesellschaftlichen Verantwortung eines Unternehmens in das Kerngeschäft. Eine hochkomplexe Querschnittsaufgabe, die praktisch alle Bereiche eines Unternehmens berührt. Unternehmen, die diesen Prozess nur sehr halbherzig führen oder ausschließlich aus Marketinggesichtspunkten, setzen sich der Gefahr aus, des sogenannten Greenwashing bezichtigt zu werden, also mit punktuellen Nachhaltigkeitsansätzen das eigentliche Geschäftsmodell in einem besseren Licht darstellen zu wollen. Gerade Nichtregierungsorganisationen (NGO) wie etwa Naturschutzverbände beobachten die Nachhaltigkeitsaktivitäten von Unternehmen sehr genau. Aber es gibt noch zahlreiche weitere Interessengruppen mit berechtigten Ansprüchen an Unternehmen. Diese sogenannten Stakeholder, zu den nicht nur NGOs, sondern auch Kunden, Mitarbeiter, Gewerkschaften und Banken gehören, haben alle sehr unterschiedliche Interessen an einem Unternehmen, die eine Geschäftsleitung dennoch befriedigen muss. Unternehmen, die dies missachten oder ungenügend befolgen, tragen oftmals einen kostspieligen und langwierigen Reputationsschaden (siehe hierzu Reputation im Lexikon) davon, also ein Verlust an Ansehen. Ein funktionierendes Nachhaltigkeitsmanagement betrachtet deshalb alle Geschäftsbereiche und vor allem auch alle Geschäftsprozesse, also auch jene, die aus dem eigenen Unternehmen hinausführen, beispielsweise zu Lieferanten. Die Koordination dieser Tätigkeiten und Informationsflüsse wird in den meisten Unternehmen von einem CSR- oder Nachhaltigkeitsmanager übernommen. Dieser ist die Schnittstelle zwischen den Kernbereichen des Unternehmens wie Produktion, Personalmanagement oder Marketing und verknüpft diese mit dem Umweltmanagement, dem Risikomanagement und der Corporate Governance, also der Unternehmensführung. Auf diesem Weg lassen sich Nachhaltigkeitsziele wie etwa die Reduzierung der CO2-Emissionen oder die Mitarbeiterzufriedenheit, steuern, messen und verbessern. Zur Steuerung dieser Ziele setzten CSR-Manager oftmals sogenannte Sustainable-Balanced-Scorecards (siehe Artikel zum Begriff Balanced Scorecard im Lexikon) ein, ein Instrument um qualitative und quantitative Ziele mit konkreten Maßnahmen zu verknüpfen und deren Entwicklung zu beobachten.

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