Gemeinkosten

Gemeinkosten, Definition und ErklärungBei der Herstellung eines Produkts fallen immer Kosten an. Für den Unternehmer ist es daher wichtig, die Produktionskosten genau zu ermitteln. Das gilt insbesondere für die Festsetzung der Preis (z.B. im Rahmen der Berechnung des Deckungsbeitrag und zur Bestimmung des Break-Even-Point bzw. zur Kalkulation der Marge des Unternehmers). Nur wenn die Kosten für die Produktion bekannt sind, ist es möglich, einen geeigneten Verkaufspreis für die entsprechenden Waren festzulegen. In vielen Bereichen ist es möglich, die Kosten direkt dem Produkt aufzuschlagen. Wenn ein Betrieb beispielsweise Stofftaschen herstellt, benötigt er für jedes einzelne Produkt eine bestimmte Menge an Stoff sowie an Fäden. Zusätzlich kommen die Lohnkosten hinzu, die bei der Herstellung anfallen.

Diese Kosten sind recht einfach zu berechnen, da hier stets bestimmte Mengen einer Ware notwendig sind (siehe hierzu auch Beitrag variable Kosten im Lexikon) oder ein bestimmter Teil der Arbeitszeit eines Mitarbeiters, der ausschließlich für das Produkt zum Einsatz kommt. Darüber hinaus existieren jedoch noch weitere Kosten, die sich nicht direkt auf ein einzelnes Produkt umrechnen lassen. Dazu zählt beispielsweise die Miete für die Fertigungshalle. Die Kosten hierfür müssen auf alle Artikel, die in der Halle entstehen, umgelegt werden. Derartige Kosten werden in der Betriebswirtschaftslehre als Gemeinkosten bezeichnet. Dieser Artikel stellt vor, worum es sich dabei genau handelt und wie die Gemeinkosten berechnet werden können.

Definition und Beispiele für Gemeinkosten

Als Gemeinkosten werden in der Betriebswirtschaftslehre alle Kosten bezeichnet, bei denen es nicht möglich ist, sie direkt einem Kostenträger zuzurechnen. Kostenträger sind dabei in erster Linie Produkte, es kann sich dabei jedoch auch um Dienstleistungen oder andere Elemente handeln. Um die Gemeinkosten zuzurechnen, ist daher stets ein spezieller Schlüssel notwendig, sodass die Berechnung nur indirekt erfolgen kann. Die Gemeinkosten für ein Produkt stellen einen Teil dessen Gesamtkosten dar. Diese ergeben sich aus der Summe der Gemeinkosten und den Einzelkosten für das entsprechende Produkt.

In jedem Betrieb fallen für verschiedene Produkte unterschiedliche Gemeinkosten an. Um einen besseren Überblick zu erhalten, werden sie in drei verschiedene Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe besteht aus den Materialgemeinkosten. Diese Art von Gemeinkosten ist immer dann vorhanden, wenn ein bestimmtes Rohmaterial für die Verwendung mehrerer verschiedener Produkte zum Einsatz kommt. Wenn beispielsweise ein Autohersteller aus einem Blechteil zunächst eine

Beispiel zu den Materialgemeinkosten:
Motorhaube herstellt und aus einem Reststück einen Tankdeckel formt, ist es nicht möglich, die Materialkosten direkt auf eines der beiden Produkte umzulegen. Daher fällt das in den Bereich der Gemeinkosten und muss über einen bestimmten Schlüssel ermittelt werden.

Die zweite Gruppe wird Verwaltungsgemeinkosten genannt. Diese Art von Gemeinkosten entsteht in allen Betrieben, die unterschiedliche Produkte herstellen. In diesem Fall ist es nicht möglich, die Verwaltungskosten direkt auf ein einzelnes Produkt umzurechnen. Daher werden sie in ihrer Gesamtheit erfasst und dann mithilfe eines bestimmten Schlüssels auf die einzelnen Produkte umgelegt. In diesen Bereich fallen in erster Linie die Lohnkosten für die Mitarbeiter der Verwaltung. Doch auch die Mietkosten für das Gebäude, in dem die Verwaltung ansässig ist, die Ausgaben für Büromaterialien und weitere Nebenkosten (z.B. auch die Lohnnebenkosten der Verwaltungsmitarbeiter) zählen dazu.

Schließlich gibt es noch die Gruppe der Vertriebsgemeinkosten. Auch in diesem Bereich ist es nur schwer möglich, die Ausgaben für ein einzelnes Produkt zu berechnen. Daher werden hier ebenfalls die Gesamtkosten erfasst und entsprechend auf die einzelnen Produkte umgelegt. Dabei spielen die Lohnkosten für die Angestellten in der Vertriebsabteilung die entscheidende Rolle, doch fallen darüber hinaus noch weitere Kostenpunkte an.

Unechte Gemeinkosten

Neben den eigentlichen Gemeinkosten, die im letzten Absatz beschrieben wurden, existieren sogenannte unechte Gemeinkosten. Dabei handelt es sich um Posten, bei denen es eigentlich möglich wäre, sie als Einzelkosten für die Herstellung eines Produkts zu erfassen. Da das jedoch mit einem hohen Aufwand verbunden wäre, werden sie in der Praxis ebenfalls in ihrer Gesamtheit erfasst und nach einem bestimmten Schlüssel umgerechnet. Beispiele für unechte Gemeinkosten sind Stromkosten oder Kosten für Schmier- und Reinigungsmittel für Maschinen. In diesen Fällen wäre es zwar möglich, die genauen Kosten für jedes einzelne Produkt zu ermitteln, doch hierfür wäre ein unverhältnismäßig hoher Verwaltungsaufwand notwendig. Darum werden diese Kosten ebenfalls über die Gemeinkosten abgerechnet.

Kostenträgerrechnung und Kostenstellenrechnung

Die Gemeinkosten spielen in der Betriebswirtschaftslehre in zwei Bereichen eine wichtige Rolle. Zum einen sind die Gemeinkosten für die Kostenträgerrechnung von Bedeutung. Im Sinne der Kostenträgerrechnung umfassen die Gemeinkosten alle Posten, bei denen es nicht möglich ist, sie eindeutig einem bestimmten Kostenträger zuzuordnen. In Betrieben die mehrere Produkte herstellen, zählen dazu beispielsweise die Gebäudekosten oder die Kosten für Maschinen oder für Wirtschaftsgüter, die nicht ausschließlich für ein einzelnes Produkt benötigt werden.

Zum anderen spielen die Gemeinkosten bei der Kostenstellenrechnung eine wichtige Rolle. Die Kostenstellenrechnung teilt den Betrieb in einzelne Bereiche auf, um eine innerbetriebliche Leistungsverrechnung durchzuführen. Die Unterteilung kann nach räumlichen, organisatorischen oder funktionalen Gesichtspunkten erfolgen. In diesem Fall bedeuten die Gemeinkosten den Anteil der Kosten, bei denen kein direkter Zusammenhang zum Output der entsprechenden Kostenstelle besteht.

Gemeinkosten und Fixkosten

In jedem Betrieb gibt es Fixkosten, die für die Herstellung der Produkte notwendig sind. Auf den ersten Blick kann der Eindruck entstehen, dass es sich bei den Gemeinkosten lediglich um einen Fachausdruck für die Fixkosten handele. Das liegt daran, dass es sich bei vielen Gemeinkosten um Fixkosten handelt. Beispielsweise ist die Miete für das Gebäude ein Bestandteil der Gemeinkosten, während es sich gleichzeitig um Fixkosten handelt. Dies ist jedoch nicht immer der Fall. Die Ausgaben für Strom und Wasser hängen beispielsweise in der Regel von der Menge der hergestellten Produkte ab. Dennoch handelt es sich dabei um Gemeinkosten. In der Regel sind zwar die meisten Fixkosten Gemeinkosten, umgekehrt muss das aber nicht immer der Fall sein.

Die Verrechnung der Gemeinkosten

Gemeinkosten in der Betriebswirtschaft (BWL)Um die Gemeinkosten auf die einzelnen Produkte umzulegen, ist es notwendig, zunächst die Gemeinkosten auf die einzelnen Kostenstellen umzurechnen.

Dazu müssen genaue Schlüssel erarbeitet werden, die den entsprechenden Anteil festlegen. Danach wird ein Gemeinkostenzuschlag vorgenommen und auf den einzelnen Kostenträger umgelegt. Deutlich wird dies am ehesten durch das folgende Beispiel:

Beispiel
Als vereinfachtes Beispiel für die Berechnung der Gemeinkosten, soll die Produktion von Kugelschreibern dienen. Die Miete für die Fertigungshalle beläuft sich in diesem Fall auf 200 Euro täglich. Da das Unternehmen in diesem Gebäude neben Kugelschreibern zusätzlich Bleistifte produziert, ist es notwendig, die Gemeinkosten auf die einzelnen Kostenstellen umzulegen. Wenn man davon ausgeht, dass beide Produktionseinheiten den gleichen Platz benötigen, entstehen für die Kostenstelle der Kugelschreiberproduktion Gemeinkosten in Höhe von 100 Euro.

Die Produktion erfolgt mit einer geleasten Maschine. Die Gebühr hierfür beträgt 150 Euro pro Tag. Da die Maschine nur für die Kostenstelle der Kugelschreiber notwendig ist, muss der gesamte Betrag eingerechnet werden. In diesem vereinfachten Beispiel fallen keine weiteren Kosten an, sodass sich die Summe der Gemeinkosten auf 250 Euro beläuft. Die Einzelkosten für die Materialien des Kugelschreibers belaufen sich auf 10 Cent pro Stück und das Unternehmen kann pro Tag 5.000 Kugelschreiber herstellen. Die Summe der Einzelkosten beläuft sich daher pro Tag auf 500 Euro. Bei der Division dieser Kosten ergibt sich ein Wert von 50 Prozent. Um die Gesamtkosten für einen Kugelschreiber zu berechnen, ist es daher notwendig, einen Gemeinkosten-Aufschlag von 50 Prozent auf die Einzelkosten vorzunehmen, sodass sich ein Wert von 15 Cent ergibt.

Übrigens: Ergänzend zu diesem Artikel sollten Sie sich auch mit den Artikeln Liquidiät, Jahresabschluss, Gewinn- und Verlustrechnung und EÜR beschäftigen.


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