Eigenkapital

Eigenkapital, Equity im UnternehmerlexikonFür die Finanzierung jedes Unternehmens werden Geldmittel oder Investitionen (siehe auch Artikel Investment im Lexikon) benötigt. Das gilt sowohl für die Phase des Start-Ups als auch für Unternehmen, die sich bereits am Markt etabliert haben. Diese Geldmittel heißen in der Ökonomie Kapital. Dabei wird zwischen den beiden Hauptformen Eigenkapital und Fremdkapital unterschieden. In manchen Fällen werden sie auch als Eigenmittel und Fremdmittel bezeichnet. Beide Formen des Kapitals haben ihre Vor- und Nachteile. Ob ein Unternehmen erfolgreich ist oder nicht, hängt in wesentlichen Teilen von einer gesunden Mischung von Fremdkapital und Eigenkapital ab. In diesem Artikel soll beschrieben werden, welche Rolle das Eigenkapital (engl. equity) für Unternehmen hat und was man darunter versteht.

Ergänzend zu diesem Lexikonartikel können wir Ihnen übrigens auch unseren Beitrag zum Thema Crowdfunding (in Punkto Fremdkapital) ans Herz legen. Beim Crowdfunding handelt es sich um eine immer beliebterwerdende Form der Finanzierung durch eine große Menge an Kleinstinvestoren. Das Crowdfunding erfreut sich vor allem bei Web 2.0 Projekten oder künstlerischen Ideen einer wachsenden Beliebtheit.

Was ist Eigenkapital überhaupt?

Damit wird in der Betriebswirtschaft die Höhe der Einlagen bezeichnet, den die Besitzer oder Gesellschafter in die Firma investieren. Ganz grob gesagt ist das Eigenkapital einer Firma der Teil des Vermögens, der nach dem Abzug aller Schulden bzw. Verbindlichkeiten übrig bleibt. Der relative Anteil des Eigenkapitals an der Gesamtbilanz des Unternehmens wird als Eigenkapitalquote bezeichnet. Je nach der Bilanz des Unternehmens kann die Eigenkapitalquote sogar negativ ausfallen, wenn die Firma anstelle eines Überschusses oder Gewinns einen Verlust oder Fehlbetrag erwirtschaftet.

Wie setzt sich das Eigenkapital zusammen?

Das Handelsgesetzbuch (siehe Artikel HGB im Lexikon) nennt die einzelnen Bestandteile des Eigenkapitals. Dazu gehört als wichtigster Bestandteil das sogenannte gezeichnete Kapital. Damit wird das Kapital bezeichnet, mit dessen Höhe die Gesellschafter oder Besitzer des Unternehmens gegenüber den Gläubigern haftbar sind. Je nach der gewählten Form des Unternehmens fällt darunter mindestens die Höhe der Einlage, aber unter Umständen auch das gesamte private Vermögen. Bei Aktiengesellschaften heißt das gezeichnete Kapital Grundkapital, bei einer GmbH wird es Stammkapital genannt.

Ein weiterer wichtiger Teil des Eigenkapitals sind Kapitalrücklagen. Dabei handelt es sich um einen Kapitalzuwachs des Unternehmens, zum Beispiel durch die Ausgabe von Aktien oder Anleihen. Eine andere Form der Kapitalrücklagen sind Zuzahlungen (Einzahlungen) der Besitzer oder Gesellschafter in das Eigenkapital.
Die Gewinnrücklage gehört ebenfalls zum Eigenkapital. Damit bezeichnet man alle Gewinne, die das Unternehmen nicht ausgezahlt, sondern einbehalten hat. In Aktiengesellschaften (siehe auch Lexikonartikel AG im Lexikon) müssen jährlich 5 Prozent eines erwirtschafteten Überschusses zurückbehalten werden, bis 10 Prozent des Grundkapitals erreicht sind. Diese Maßnahme wurde im Interesse des Gläubigerschutzes getroffen.

Andere Bestandteile des Eigenkapitals sind der Gewinnvortrag und der Verlustvortrag. Der Gewinnvortrag ist vereinfacht gesagt der Gewinnbetrag, der nach dem Gewinnverwendungsbeschluss übrig bleibt. Der Verlustvortrag dagegen ist die Summe aller im abgelaufenen Geschäftsjahr entstandenen Verluste. Zum Eigenkapital gehören ebenfalls Jahresüberschuss und Jahresfehlbetrag. Mit diesen Begriffen wird das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahrs bezeichnet. Beide Formen werden zusammengefasst auch als Jahresergebnis bezeichnet.

Welche Merkmale charakterisieren das Eigenkapital?

Im Vergleich zum Fremdkapital bestehen beim Eigenkapitals eines Unternehmens beträchtliche Unterschiede. So bringt Eigenkapital automatisch ein Beteiligungsverhältnis der Gesellschafter oder Besitzer mit sich. Beteiligung bedeutet, die Gesellschafter oder Besitzer haben ein Mitspracherecht bei allen wichtigen Fragen, die das Unternehmen betreffen. Eigenkapital verpflichtet auch. Die Gesellschafter oder Besitzer haften mindestens in der Höhe ihrer Einlagen, bei manchen Rechtsformen eines Unternehmens sogar auch mit dem gesamten privaten Vermögen.

Die Vergütung der Gesellschafter oder Eigentümer erfolgt in Form einer anteiligen Beteiligung an Gewinn oder Verlust des Unternehmens. Die Höhe der Beteiligung richtet sich dabei nach der Höhe der Einlagen.

Im Gegensatz zum Fremdkapital, das gewöhnlich nur für einen befristeten Zeitraum (Kreditlaufzeit) zur Verfügung steht, ist Eigenkapital ohne zeitliche Begrenzung verfügbar. Im Einzelfall kann es jedoch gekündigt werden.

Zinsen aus Eigenkapital können nicht steuerlich geltend gemacht (abgesetzt) werden.

Welche Vorteile bringt ein hoher Anteil von Eigenkapital?

Eine hohe Eigenkapitalquote macht das Unternehmen unabhängiger von fremden Kapitalquellen. In der Regel erwirtschaftet Eigenkapital bessere Erträge als Fremdkapital. Außerdem steht es im Gegensatz zu letzteren für einen unbefristeten Zeitraum zur Verfügung, während Darlehen über einen konkreten Zeitraum getilgt werden müssen. Firmen mit einem hohen Anteil an Eigenkapital gelten zudem als wirtschaftlich stabiler und unabhängiger als solche, die dazu gezwungen sind, viel Fremdkapital aufnehmen zu müssen. Das honorieren die Banken zum Beispiel durch die Vergabe von Krediten mit niedrigeren Zinsen und besseren Konditionen an Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalquote. So sind in solchen Fällen die geforderten Sicherheitsleistungen deutlich niedriger als bei stark verschuldeten Firmen. Die Eigenkapitalquote hat direkte Auswirkungen auf die Bonität eines Unternehmens.

Ein nicht zu unterschätzender Teil des Vorteils ist der menschliche Faktor. Gesellschafter oder Eigentümer haben ein großes Interesse daran, dass das Unternehmen wächst und langfristig Gewinn abwirft. Sie sind an einer nachhaltigen Entwicklung interessiert. Fremdkapital dagegen ist nur daran interessiert, seine Investition plus einer möglichst hohen Rendite zurück zu bekommen. Wie die Rendite erzielt wird, ist den Geldgebern im Grunde genommen gleichgültig. Sie haben kein Interesse am Schicksal oder Bestand des Unternehmens.

Besitzt Eigenkapital auch Nachteile?

Gewisse negative Seiten des Eigenkapitals existieren in der Tat. Eigene Kapitalanteile bringen automatisch ein Recht auf Mitbestimmung mit sich. Würde jedem Gesellschafter oder Anteilseigner das gleiche Recht zur Mitbestimmung gegeben, würde das Fassen von wichtigen Beschlüssen stark erschwert oder sogar unmöglich werden. In der Praxis wird das Mitbestimmungsrecht in vielen Unternehmen darum durch Verträge eingeschränkt, damit das Unternehmen handlungsfähig bleibt. Ein anderer Nachteil des Eigenkapitals ist das Risiko. Gesellschafter und Eigentümer können sich nicht nur über Gewinne freuen, sie müssen auch Verluste des Unternehmens tragen. Im schlimmsten Fall können sie dabei ihre Einlage oder sogar ihr privates Vermögen verlieren.

Ein weiterer Nachteil des Eigenkapitals zeigt sich bei der Insolvenz. Muss das Unternehmen Insolvenz anmelden, haben die Ansprüche des Fremdkapitals Vorrang. Erst wenn sie bedient worden sind, können Ansprüche der Gesellschafter oder Eigentümer befriedigt werden. In vielen Fällen reicht aber die vorhandene Insolvenzmasse dazu nicht mehr aus und die Gesellschafter gehen leer aus.

Auf die richtige Mischung kommt es an

Balance aus Eigenkapital und Fremdkapital im Unternehmen ist wichtigBeim Verhältnis von Eigenkapital zu Fremdkapital kommt es darauf an, ein ausgewogenes Verhältnis zu finden. Ein Start-Up ausschließlich mit Eigenkapital ist bei den meisten Firmen wegen des hohen Finanzbedarfs einfach unmöglich. Die Mehrzahl der Unternehmer sind daher gezwungen, Fremdkapital zur Finanzierung ihres Geschäfts heran zu ziehen. Wie hoch der jeweilige Anteil maximal sein sollte, richtet sich nach der Art des Unternehmens und der Höhe des verfügbaren Eigenkapitals. Genauere Informationen darüber gibt es bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Die dortigen Mitarbeiter verfügen über umfangreiches Wissen und vor allem viel praktische Erfahrung in allen Bereichen eines Unternehmens. Sie organisieren auch Kurse und Seminare von der Existenzgründung (siehe hierzu auch Artikel Gewerbeanmeldung im Lexikon) über Buchführung (siehe hierzu auch Artikel Buchhaltung im Lexikon) bis hin zum Marketing. Eine Teilnahme an diesen Seminaren zahlt sich auf jeden Fall aus und erhöht die Erfolgschancen des jungen Unternehmens beträchtlich.

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