Crowdfunding

Crowdfunding, Definition und Erklärung im UnternehmerlexikonBeim Crowdfunding handelt es sich um eine neuartige Form der Finanzierung von Unternehmensgründungen, Aktionen oder Projekten. Die Bezeichnung ist eine Zusammensetzung aus den Worten „Crowd“ (= Masse) und „Funding“ (= Finanzierung). Das Startkapital kommt dabei nicht von Banken oder einzelnen Großinvestoren, sondern von zahlreichen kleinen Investoren, häufig Privatpersonen. Diese auch als „Schwarmfinanzierung“ bezeichnete Methode wird auf verschiedenen spezialisierten Plattformen angeboten. Crowdfunding ermöglicht es jedem Internetnutzer, Ideen und Konzepte für neue Produkte oder Unternehmen via Text, Foto und Video kurz vorzustellen. Die Betrachter können dann über die Plattform ihre Unterstützung in individuell festgelegter Höhe leisten – und erhalten im Gegenzug entweder ein Vorkaufsrecht auf entstehende Produkte, einen Anteil an potenziellen Firmengewinnen oder auch die namentliche Erwähnung als Förderer und Sponsor eines Kulturprojektes.

Das Jahr 2011 gilt als Beginn des professionellen Crowdfunding auch in Deutschland. Aus diesem Jahr datiert beispielsweise eines der bekanntesten deutschen Crowdfunding-Projekte: die Finanzierung des Films „Stromberg“, für den innerhalb einer Woche bei Klein- und Kleinstinvestoren über eine Million Euro eingesammelt werden konnten. Inzwischen haben sich über 20 verschiedene auf den deutschen Markt spezialisierte Crowdfunding-Plattformen gegründet.

Funktionsweise des Crowdfunding

Crowdfunding, Schwarmfinanzierung, Finanzierung und InvestmentDie Finanzierung von Projekten oder Startups über Crowdfunding funktioniert im Groben bei allen Plattformen auf die gleiche Weise: Der Kapitalsuchende stellt seine Idee auf der Seite vor und wählt eine Mindestsumme, die zur Finanzierung erreicht werden soll. Anschließend gibt er den Zeitraum ein, in welchem die angestrebte Summe mittels Crowdfunding gesammelt werden soll und welche Art von Gegenleistung sich Geldgeber mit welcher Investment-Höhe sichern können – und gibt das Projekt zur Ansicht frei. Daraufhin können sich interessierte Geldgeber registrieren und angeben, mit welchem Betrag sie das Projekt unterstützen möchten. Die Beträge können dabei von einzelnen Euro oder Dollar bis zu mehreren Tausend Euro/Dollar gehen. Ist nach Ablauf der vom Kapitalsuchenden gesetzten Frist die vorgesehene Mindestsumme nicht erreicht, passiert in der Regel nichts: Es werden keine Gelder von den Investoren abgebucht und der Kapitalsuchende erhält keine Finanzierung. Bei manchen Plattformen allerdings darf der Initiator die eingeworbenen Gelder auch bei Nichterreichen der Mindestsumme behalten. Ist die angestrebte Summe jedoch erreicht oder gar übertroffen worden, werden die Beträge von den einzelnen Geldgebern abgebucht und nach Abzug einer Vermittlungsprovision durch die Plattform an den Projektinitiator überwiesen.

Die Plattformen unterscheiden sich vor allem darin, auf welche Weise die Geldgeber von ihrer Unterstützung des Projekts profitieren können. Die Formen dieses Profits reichen von kleinen Dankes-Geschenken über namentliche Erwähnungen als Sponsoren in Filmen oder bei Veranstaltungen oder Vergünstigungen für den Erwerb der Produkte bis hin zu Gewinnbeteiligungen am Verkauf der Produkte oder den Einkünften des mittels Crowdfunding-Geldern gegründeten Unternehmens.

Das Prinzip des Crowdfunding lässt sich in vier verschiedene Modelle untergliedern:

Das Lending based Crowdfunding stellt im Grunde so etwas wie Mikrokredite dar. Private Geldgeber verleihen ihr Kapital über die entsprechende Plattform an den Projektinitiator oder Firmengründer – und erhalten es innerhalb einer festgesetzten Zeit mit Zinsen wieder zurück.

Das Donation based Crowdfunding hingegen ist Privat-Finanzierung mittels Spende. Die Spender erhalten dabei keinen finanziellen Rückfluss, es handelt sich also nicht um ein Investment. Es sind vor allem Projekte aus der Kreativ- und Kunstszene, die mittels Donation based Crowdfunding unterstützt werden.

Equity based Crowdfunding wird auch als Crowdinvesting bezeichnet und macht die Geldgeber zu klassischen Teilhabern. Sie sind durch ihre Unterstützung und in Abhängigkeit von der Höhe ihres finanziellen Zuschusses zum Projekt oder Startup am Substanzwert des entstehenden Unternehmens und am erwirtschafteten Gewinn beteiligt. Im Falle des Scheiterns eines solcherart ins Leben gerufenen Projekts oder Startups verlieren die Geldgeber ihre eingelegte Summe jedoch ohne Gegenleistung.

Beim Reward based Crowdfunding werden, ähnlich wie beim Donation based Crowdfunding, vorrangig Kunst- und Kulturprojekte unterstützt. Als Gegenleistung für ihre Unterstützung bekommen die Spender zwar kein Geld, werden in der Regel jedoch als Unterstützer oder Sponsoren öffentlichkeitswirksam erwähnt oder erhalten beispielsweise signierte Erstausgaben der unterstützten Werke.

Die verschiedenen Crowdfunding-Plattformen

Crowdfunding-Plattformen sind entweder international, national oder sogar regional ausgerichtet und unterscheiden sich darüber hinaus nach den Themenbereichen, die sie abdecken. Je nach Ausrichtung sind deshalb verschiedene Anbieter als Crowdfunding-Plattform für unterschiedliche Ideen und Konzepte geeignet.

Internationale Crowdfunding-Anbieter

Die Vorreiter der Crowdfunding-Bewegung stammen aus den USA. Dort wurde bereits im Jahr 2003 im Rahmen der Webplattform „ArtistShare“ mit Ansätzen zum Crowdfunding experimentiert. Die erste europäische Plattform dieser Art war das holländische „SellaBand“, das 2006 gegründet wurde. Beide Plattformen konzentrierten sich auf den Musikmarkt, ermöglichten es also Musikern, über die Crowdfunding-Seiten die Finanzierung für die Produktion und Vermarktung ihrer Alben zu erhalten.

Eine der weltweit bekanntesten Crowdfunding-Plattformen ist „Kickstarter.com“. Über die im Jahr 2009 ins Leben gerufene Seite wurden bereits mehr als 100.000 Projekte und Firmengründungen finanziert. Thematisch deckt Kickstarter eine große Bandbreite ab – von Projekten aus verschiedenen Entertainment-Sparten über Ideen in den Bereichen Food oder Kleidung bis hin zu Firmen- oder Produktkonzepten aus dem handwerklichen Segment reicht die Palette. Auch das 2008 gegründete Portal „Indiegogo“ sowie die Plattform „RocketHub“ sind wichtige international tätige Crowdfunding-Anbieter mit breitem Themenspektrum.

Deutsche Crowdfunding-Anbieter

Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Plattformen für das Crowdfunding von Startups oder Projekte. Seit 2010 beispielsweise gibt es Seedmatch. Die Plattform mit Sitz in Dresden fördert gezielt neue Geschäftsideen und die Gründung von Firmen, hat jedoch für Investoren die Hürde von einem Mindesteinsatz von 250 Euro eingebaut. Auch das wohl bekannteste deutsche Netzwerk zur Förderung von Startups mittels Crowdfunding kommt aus Dresden: Das im Herbst 2010 gegründete Portal Startnext hat bereits mehrere zehntausend Interessenten und ihre Ideen mit potenziellen Investoren zusammen gebracht und ist nach eigenen Angaben die größte Crowdfunding-Community Deutschlands. Aus Berlin stammen die Crowdfunding-Seiten Inkubato, Companisto und Pling.

Regionale Crowdfunding-Seiten

Crowdfunding-Anbieter mit regionaler Ausrichtung sind in Deutschland ebenfalls in vielen Regionen zu finden. Darunter fallen unter anderem:

Die passende Crowdfunding-Plattform finden

Crowd-Founding: Idee, Projekt und PräsentationFür Startup-Gründer oder Einzelpersonen sowie Unternehmer mit Projektideen stellt sich angesichts der Vielzahl an verfügbaren Crowdfunding-Anbietern die Frage nach der für ihre Bedürfnisse optimal passenden Plattform. Bei der Suche sollten Projektinitiatoren die verschiedenen Anbieter nach diversen Faktoren unter die Lupe nehmen. Dabei geht es einerseits darum, welche Themengebiete eine Plattform abdeckt – und ob die eigene Idee in dieses Spektrum hinein passt. Außerdem sollte recherchiert werden, wie groß die Anzahl an konkurrierenden Projekten ist. Denn in einem Umfeld, in dem hunderte andere im gleichen Themenfeld nach Investoren suchen, kann es beispielsweise schwierig werden, mit der eigenen Idee aus dieser Vielzahl herauszustechen.

Darüber hinaus ist wichtig, auf welchem Konzept die jeweilige Crowdfunding-Seite basiert. Denn wenn die Plattform beispielsweise nach dem Equity based-Prinzip arbeitet, heißt das, dass potenziell hunderte zukünftige „Teilhaber“ am vorgestellten Projekt oder Geschäft mitpartizipieren möchten. Für andere Plattformen hingegen müssen Kapitalsuchende mehrstufige Modelle für Gegenleistungen entwickeln, die sie ihren Geldgebern für unterschiedliche Unterstützungs-Beträge anbieten.

Auch die Verbreitung beziehungsweise der Bekanntheitsgrad einer Crowdfunding-Seite ist wichtig, um einschätzen zu können, ob sie für das eigene Projekt hilfreich sein kann. Denn manch eine thematisch sehr spezialisierte Plattform hat zwar nur eine kleine Nutzergemeinde – doch wenn diese exakt der Zielgruppe an Investoren entspricht, die ein Unternehmen ansprechen möchte, kann sie die bessere Wahl sein, als eine allumfassende große Plattform. Je massentauglicher das eigene Produkt hingegen ist, desto eher sollte die Wahl auf die großen Player im Crowdfunding-Markt fallen.

Nicht zuletzt spielt auch die Form der Präsentation eine Rolle, die zur Darstellung des Projekt- oder Geschäftskonzepts auf einer Plattform benötigt wird. Da inzwischen nahezu alle Anbieter die Möglichkeit bereitstellen, ein kurzes Video zur Erklärung der eigenen Idee einzustellen, sollten Kapitalsuchende diesen Weg nutzen. Denn ein Video ermöglicht es ihnen, in komprimierter Form innerhalb weniger Minuten ihren Ansatz und dessen Förderungswürdigkeit in Bild und Ton auf den Punkt zu bringen.

Reaktion bei Misserfolg

Wurde die über eine Crowdfunding-Annonce angestrebte Mindestsumme für ein Projekt oder eine Startup-Idee nicht erreicht, muss das nicht zwangsläufig bedeuten, dass das Konzept in die Schublade wandern sollte. Vielmehr lässt sich – auch in der Kommunikation mit denjenigen, die ihre Unterstützung für die Idee signalisiert hatten – das Konzept überarbeiten und neu aufstellen. Vor allem sollte eruiert werden, ob die fehlende Unterstützung aufgrund einer nicht überzeugenden Idee zustande kam – oder aufgrund einer nicht überzeugenden Präsentation der Idee. Ähnlich wie bei der klassischen Investorensuche, so gilt auch beim Crowdfunding: Niemals aufgeben, wenn man wirklich an einen Ansatz glaubt!

Lesen Sie ergänzend zum Thema "Handel im Internet" auch unbedingt die Artikel Cross Selling und Dropshipping in unserem Lexikon.



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